Anwendungsentwicklung

Zwischen einer fachlichen Aufgabe und einer laufenden Software liegt ein geordneter Weg. Anwendungsentwicklung ist die Bezeichnung für diesen Weg, und sie beginnt nicht mit dem Programmieren.
Drei Fachinformatiker*innen einer Agentur arbeiten an der Anwendungsentwicklung.
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Anwendungsentwicklung: Definition

Anwendungsentwicklung bezeichnet den Entwurf, die Programmierung und die Einführung von Software, die einen bestimmten fachlichen Zweck erfüllt. Gemeint sind Anwendungen für Endnutzer und für Fachabteilungen, nicht Betriebssysteme oder Entwicklungswerkzeuge. Der Begriff umfasst den gesamten Weg von der Anforderung bis zur Übergabe in den Betrieb, häufig auch die spätere Weiterentwicklung.

Phasen der Anwendungsentwicklung

Der Ablauf ist unabhängig vom Vorgehensmodell gleich aufgebaut. Erhoben werden zuerst die Anforderungen, danach folgen Architektur und Entwurf, Umsetzung, Test, Abnahme und Übergabe. Der Anteil, der über Erfolg oder Scheitern entscheidet, liegt vor der ersten Zeile Code. Ein unklares Lastenheft verteuert jede folgende Phase, weil Annahmen später als Fehler auftauchen und dann teurer zu beheben sind.

Wie ein Vorhaben abläuft

In der Praxis wechseln sich Klärung und Umsetzung ab. Agile Verfahren liefern in kurzen Abständen lauffähige Zwischenstände und prüfen daran die Anforderungen, klassische Verfahren schließen jede Phase ab, bevor die nächste beginnt. Die Wahl richtet sich nach der Stabilität der Anforderungen, nicht nach der Vorliebe des Teams. Wo Vorschriften eine vollständige Dokumentation verlangen, etwa bei Vergaben, gewinnt das klassische Vorgehen an Gewicht.

Anwendungsentwicklung oder Systemintegration?

Beides sind eigene Fachrichtungen mit unterschiedlichem Schwerpunkt. Die Applikationsentwicklung baut die Anwendung selbst, die Systemintegration verbindet vorhandene Systeme, richtet Netze und Betrieb ein und hält sie lauffähig. In Projekten greifen beide ineinander, in der Zuständigkeit bleiben sie getrennt. Wer eine Fachanwendung an ein bestehendes Umfeld anschließt, braucht beide Seiten.

Qualitätsmerkmale

Beurteilt wird eine Anwendung nicht am Funktionsumfang allein. Maßgeblich sind Korrektheit, Bedienbarkeit, Sicherheit, Wartbarkeit und Übertragbarkeit auf neue Umgebungen. Wartbarkeit ist dabei der Wert mit der längsten Wirkung, weil sie die Kosten über die gesamte Nutzungsdauer bestimmt. Nach der Übergabe wechselt die Zuständigkeit von der Applikationsentwicklung in das Application Management, das Betrieb, Änderungen und Weiterentwicklung über die restliche Nutzungsdauer verantwortet.

Individuell oder Standard

Vor dem Entwurf steht die Frage, ob überhaupt entwickelt werden muss. Deckt ein Standardprodukt den Bedarf zu achtzig Prozent, ist eine Anpassung meist günstiger als eine eigene Lösung, und die verbleibenden zwanzig Prozent werden über Schnittstellen ergänzt. Eine eigene Entwicklung lohnt dort, wo der Ablauf den Unterschied zum Wettbewerb ausmacht oder wo Vorschriften Anpassungen verlangen, die kein Produkt vorsieht. Diese Abwägung gehört dokumentiert, weil sie später jede Kostenfrage beantwortet. Wird sie übersprungen, entstehen Eigenentwicklungen, die ein Produkt nachbauen, und Produkte, die so weit angepasst sind, dass jedes Update zum Projekt wird. Beide Fälle lassen sich nachträglich nur mit einem Neuaufbau korrigieren, und der kostet regelmäßig mehr als die ursprüngliche Entscheidung eingespart hat.

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