Agiles Manifest

Ein Text von wenigen Sätzen, entstanden an einem verlängerten Wochenende, auf den sich seitdem ganze Beratungsbranchen berufen. Das Agile Manifest ist kürzer und offener, als seine Wirkung vermuten lässt.
Vier Menschen arbeiten an einem Schreibtisch und schauen in einen PC
© Anna Shvets

Was das Agile Manifest ist

Das Agile Manifest ist ein kurzer Grundlagentext zur Softwareentwicklung, verfasst im Februar 2001 bei einem Treffen im Skigebiet Snowbird in Utah, von siebzehn Fachleuten aus damals konkurrierenden Vorgehensweisen. Es besteht aus vier Leitsätzen und zwölf ergänzenden Prinzipien. Der Text ist frei zugänglich, nicht geschützt und wurde seither nicht geändert.

Verfasst wurde er als Gegenentwurf zu Vorgehensmodellen, die jede Phase vollständig abschließen, bevor die nächste beginnt. Es beschreibt eine Haltung, kein Verfahren. Wer eine Anleitung erwartet, findet keine, und genau diese Offenheit erklärt zugleich seine Verbreitung und seine Auslegungsspielräume. Die agile Softwareentwicklung ist deshalb kein Ergebnis des Textes, sondern die Sammlung der Verfahren, die sich darauf berufen.

Die vier Leitsätze

Jeder Leitsatz stellt zwei Dinge gegenüber und benennt, was im Zweifel schwerer wiegt. Menschen und ihr Zusammenspiel stehen über Prozessen und Werkzeugen. Funktionierende Software steht über umfassender Dokumentation. Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber steht über Vertragsverhandlung. Und das Eingehen auf Veränderung steht über dem Befolgen eines Plans. Der entscheidende Satz steht darunter, denn er hält ausdrücklich fest, dass die jeweils rechte Seite ihren Wert behält.

Die zwölf Prinzipien

Sie machen die Leitsätze greifbarer. Behandelt werden regelmäßige Auslieferung in kurzen Abständen, die Bereitschaft, Anforderungen auch spät noch aufzunehmen, tägliche Zusammenarbeit von Fach- und Entwicklungsseite, Vertrauen in motivierte Beteiligte, das direkte Gespräch als wirksamste Form der Verständigung, ein gleichmäßiges Arbeitstempo, technische Sorgfalt sowie regelmäßige Rückschau auf die eigene Arbeitsweise.

Fortschritt misst der Text an lauffähiger Software. Nicht an Fertigstellungsgraden, Dokumentenständen oder eingehaltenen Zwischenterminen, was in Umgebungen mit Berichtspflicht regelmäßig zu Reibung führt. Verträge über Softwareentwicklung müssen diesen Unterschied auffangen, sonst berichtet ein Projekt nach zwei Systemen gleichzeitig.

Wie sich der Text heute liest

Das Agiles Manifest 2001 liest sich heute in zwei Richtungen. Manches ist Allgemeingut geworden und wird kaum noch als Position wahrgenommen. Anderes ist an der Praxis vorbeigelaufen, etwa die Annahme, ein Team sitze im selben Raum, was bei verteilter Arbeit eine andere Antwort verlangt. Kritisiert wird zudem, dass sich mit dem Text jede Abkürzung rechtfertigen lässt, weil er weder Rollen noch Nachweise vorschreibt. Ohne Dokumentation gemeint hat ihn niemand. Ein konkretes Rahmenwerk, das die Leitsätze in feste Abschnitte und Verantwortlichkeiten übersetzt, ist Scrum.

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