Software entwickeln lassen

Auf dem Markt existieren unzählige Softwarelösungen für Produktion, Vertrieb, Personal- oder Datenmanagement. Standardsoftware deckt nicht immer ab, was ein einzelner Konzern oder ein KMU braucht. In diesen Fällen fahren Unternehmen oft besser, wenn sie individuelle Software entwickeln lassen.
Zwei Männer und eine Frau planen an einem Tisch Softwareentwicklung
© Gorodenkoff

Software entwickeln lassen: Was umfasst der Auftrag?

Laut der Bitkom-Studie zum IT-Arbeitsmarkt fehlen 2026 rund 79.000 IT-Fachkräfte. Ein eigenes Team ist deshalb schwer planbar.

Software entwickeln lassen heißt, die Herstellung eines Computerprogramms vertraglich an einen externen Dienstleister zu übertragen. Der Auftraggeber beschreibt Ziele und Anforderungen, der Auftragnehmer plant, programmiert, testet und übergibt die Anwendung. Rechte am Quellcode, Abnahme und späterer Betrieb werden im Vertrag geregelt.

Das Entwickeln von Software ist das Erstellen eines Computerprogramms von der ersten Idee bis zur finalen Version. Das schließt Anwendungsentwicklung für den PC genauso ein wie das Programmieren einer Web App. Oft geht der Entwicklungsprozess bei einem Projekt über die Version 1.0 hinaus. Hat sich ein Computerprogramm auf dem Markt etabliert, wird es in der Regel laufend verbessert. Zeitgemäße Features werden hinzugefügt, die User Experience verbessert oder Sicherheitsupdates installiert. Das gilt für Betriebssysteme genauso wie für Anwendungssoftware oder Datenbanken. Auch diese Prozesse gehören zur Entwicklung einer Software.

Ein Computerprogramm durchläuft während der Entwicklung verschiedene Phasen von der Ideenfindung über das Coden bis zum Implementieren und Testen der Software. Prozedurale und objektorientierte Programmierung gehören zu den Grundlagen der Softwareentwicklung.

Software programmieren lassen: Rollen im Projekt

Um Software entwickeln zu können, braucht es fähige Programmierer, die sogenannten Software Engineers. Das sind Informatiker, die sich auf den Bereich Software-Entwicklung spezialisiert haben. Je nachdem, um welche PC-Software oder Web App es sich handelt, sind verschiedene Skills und Erfahrungen von Vorteil. Wichtig ist zum Beispiel das Beherrschen von Programmiersprachen und Entwicklungsframeworks.

Frameworks sind Tools, mit deren Hilfe sich unter anderem Software, Apps und Webseiten erstellen lassen. Sie enthalten meistens vordefinierte Funktionen für die Programmierung. Auch Strukturen und Code-Bausteine sind bereits vorgegeben. Das nimmt einem Softwareentwickler grundlegende Arbeitsschritte ab und schafft mehr Raum für spezifische Tätigkeiten. Zum Beispiel werden dadurch mehr Ressourcen für Problemanalyse und Lösungen frei.

Im Groben gliedern sich die Aufgabenbereiche des Softwareengineerings in zwei Bereiche:

  • Frontend
  • Backend

Software entwickeln: Frontend

Als Frontend wird beim Entwickeln von Software das Erstellen des UI (User Interface) bezeichnet. Das ist die Benutzeroberfläche, die der Nutzer auf dem Screen sieht und über die er die Funktionen der Software und eventuell auch der Hardware steuert. Zum Beispiel können das Buttons sein, die sich anklicken lassen, Fenster, Reiter auf einer Website oder andere Menü-Elemente. Das schließt die Bedienung über Hardware wie Tastatur, Maus, Touchpad, Touchscreen oder Joystick mit ein.

Software entwickeln: Backend

Das Backend ist der Teil einer Computeranwendung, den der User nicht zu Gesicht bekommt. Es umfasst die serverseitige Logik, das Grundgerüst der digitalen Prozesse. Backend-Developer kümmern sich unter anderem um das Entwickeln von Datenbanken und die Programmierung der grundlegenden Software-Funktionen. Außerdem sind sie zuständig für die Schnittstellen zum Frontend. Dadurch wird gewährleistet, dass das Programm oder die Web App den Eingaben der Benutzer entsprechend reagiert.

Neben den grundlegenden Programmiersprachen ist auch SQL eine wichtige Voraussetzung für das Entwickeln von Software. Bei SQL (Structured Query Language) handelt es sich um eine Abfragesprache für eine relationale Datenbank. In einer Datenbank können digitale Daten gespeichert, verwaltet und verknüpft werden. In der Regel werden sie firmenintern verwendet. Es existieren verschiedene Datenbank-Systeme. Das relationale System ist am weitesten verbreitet, da es Daten in Tabellen auf eine intuitive Art darstellt und die mehrfache Speicherung identischer Daten reduziert.

Full-Stack-Entwicklung

Wenn Unternehmen Software entwickeln lassen, sind Full Stack Developer sehr gefragt. Sie sind Allrounder, die sich sowohl mit Frontend als auch mit Backend auskennen. Außerdem können sie als wichtige Schnittstelle zwischen diesen beiden Aufgabenbereichen fungieren.

Wieso Firmen Software entwickeln lassen

In Deutschland gibt es eine Vielzahl Digitalagenturen, die sich auf das Entwickeln von Individualsoftware für ihre Kunden spezialisiert haben. Sie sind dann als Dienstleister für ein Unternehmen tätig, das die Software benötigt. Oft handelt es sich um Full-Service-Dienstleistungen, die auch das Warten und eventuell die Weiterentwicklung von Programmen miteinschließen. Im Gegensatz zu Standardprogrammen sind individuelle Softwarelösungen spezifisch auf die Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten. Moderne Arbeitsmethoden wie die agile Softwareentwicklung ermöglichen es, eine Anwendung bereits im Entstehungsprozess bestmöglich an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Die Frage „Software kaufen oder entwickeln lassen?“ stellt sich für die meisten Konzerne und KMU allerdings gar nicht. Auf dem Markt gibt es unzählige Anwendungen für Datenverarbeitung, Zeiterfassung oder Projektmanagement, dazu Branchensoftware für einzelne Wirtschaftszweige. Vor allem große Softwareanbieter haben eine breite Palette an Programmen, die viele Aufgabenbereiche abdecken und miteinander kompatibel sind. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an Schulungen, bei denen Mitarbeiter den Umgang mit der Software erlernen können. Die Kosten für diese Anwendungen sind gut kalkulierbar.

Auf der anderen Seite kann es auch deutliche Vorteile bringen, eigene Software entwickeln zu lassen. Das gilt zum Beispiel, wenn mehrere Unternehmensprozesse von einer Software gesteuert werden können, für die es ansonsten mehrere Programme bräuchte, die nur eingeschränkt zueinander kompatibel sind. Um herauszufinden, ob es sich lohnt, eigene Software entwickeln zu lassen, können folgende Fragestellungen hilfreich sein:

  • Hilft Individualsoftware dabei, firmeninterne Abläufe zu optimieren?
  • Braucht das Unternehmen schnellen Support, der die eigenen Abläufe kennt?
  • Senkt es die Kosten im Unternehmen, Software entwickeln zu lassen?
  • Lässt sich die Arbeitsleistung verbessern, indem firmeneigene Software nach den Vorstellungen der Mitarbeiter programmiert wird?
  • Verschafft eigene Software einen Wettbewerbsvorteil?

Wenn sich mehrere dieser Fragen mit ja beantworten lassen, ist das ein starkes Indiz dafür, dass es ratsam ist, ein individuelles Programm entwickeln zu lassen.

Wie lange dauert es, eine Software zu entwickeln?

Ein Programm oder eine Web App entwickeln lassen kann viel oder wenig Zeit in Anspruch nehmen. Im Grunde hängt das davon ab, wie komplex die Funktionen der Software sein sollen und wie hoch die Ansprüche an das User Interface sind. Eine firmeninterne Software zum Beispiel muss in erster Linie einfach und praktisch zu bedienen sein. Wird das Programm auch von den Kunden des Unternehmens genutzt (etwa Webshops, Kundenportale oder Buchungssysteme), spielt neben der intuitiven Bedienbarkeit auch die Optik eine entscheidende Rolle.

Beim Softwareengineering kann das Design viel Zeit verschlingen. So kann aus einer anvisierten Entwicklungszeit von fünf Monaten schnell ein Dreivierteljahr werden. Agile Vorgehensmodelle bieten laut BSI nicht dieselbe Kalkulationssicherheit wie lineare Modelle, bei denen alle Anforderungen zu Beginn feststehen. Dafür lassen sie sich besser an veränderte Anforderungen anpassen.

Letzten Endes ist eine Softwareentwicklung ein weitaus aufwendigerer Prozess, als sich eine Website erstellen zu lassen. Daher ist es ratsam, einen großzügigen Puffer für ein solches Projekt einzurechnen. Der Puffer gehört deshalb schon in Angebot und Zeitplan, nicht erst in die Nachverhandlung. Zu den häufigsten Umständen, die das Entwickeln einer Software hinauszögern können, zählen:

  • Fehlender Weitblick
    Oft dauert es mehrere Monate, bis aus einer Software-Idee ein konkretes Konzept wird. Die Entwicklung an sich dauert ebenfalls. Schnell kann es passieren, dass eine Technik vor der Implementierung der Software bereits veraltet ist. Weitblick und innovatives Denken sind ein wichtiger Pfeiler der Softwareentwicklung.
  • Differente Projektanforderungen
    Manchmal ändern Unternehmen ihre Meinung oder ihre Ansprüche an die firmeneigene Software. In einigen Fällen merken die Entwickler auch mitten im Programmierprozess, dass abweichende Anforderungen benötigt werden, um das Ziel der Software umzusetzen. Das kann zur Folge haben, dass bei einer Vielzahl von Arbeitsschritten noch einmal von vorn begonnen werden muss.
  • Komplexe Ansprüche
    Wer sich eine Software entwickeln lassen will, sollte bedenken: Jede Funktion, jede Unterfunktion, jede Änderung im visuellen Design bedeutet eine Vielzahl an Arbeitsschritten. Auftraggeber und Softwarefirma sollten gemeinsam dafür Sorge tragen, dass die Anwendung nicht komplexer wird als nötig.

Software entwickeln lassen: Ablauf, Vertrag und Kosten

Ob KMU oder Behörden eine Software erstellen lassen oder erweitern, die Schritte reichen vom Lastenheft bis zur Abnahme. Die Steuerung bleibt beim Auftraggeber, der den Auftrag nach IT-Grundschutz anforderungsgerecht vergeben muss (BSI, IT-Grundschutz-Kompendium, Baustein APP.7 „Entwicklung von Individualsoftware“, 2023).

Im Lastenheft legt der Auftraggeber fest, was die Software leisten soll. Das Pflichtenheft der Software ist die Antwort des Dienstleisters darauf: Es legt fest, wie er diese Anforderungen technisch umsetzen wird, mit welchen Funktionen und Schnittstellen. Für Auftraggeber, die eine Software programmieren lassen, wird es damit zur verbindlichen Grundlage für Zeitplan und Abnahme.

Vertrag und Rechte am Quellcode

Der Vertrag legt fest, was geschuldet ist, wann bezahlt wird und wem das Ergebnis gehört. Er ist eine der folgenreichsten Entscheidungen im Projekt, wenn Unternehmen eine Software programmieren lassen.

Werkvertrag oder Dienstvertrag

Beim Werkvertrag schuldet der Dienstleister nach § 631 BGB ein Ergebnis, beim Dienstvertrag nach § 611 BGB nur die Tätigkeit. Nach § 640 BGB nimmt der Auftraggeber das Ergebnis ab und darf die Abnahme wegen unwesentlicher Mängel nicht verweigern.

Nutzungsrechte am Quellcode

Computerprogramme sind nach § 69a UrhG urheberrechtlich geschützt. Der Auftraggeber erhält die Nutzungsrechte, die ihm der Vertrag einräumt. Ist ihr Umfang offen, bestimmt ihn nach § 31 Abs. 5 UrhG der Vertragszweck, deshalb gehören das Recht zur Umarbeitung und die Herausgabe des Quellcodes in den Vertrag.

Vergabe in der öffentlichen Hand

Behörden vergeben Individualsoftware nach Vergaberecht, meist mit dem Vertragstyp EVB-IT Erstellung. Laut der Vergabestatistik für das Gesamtjahr 2024 entschied in rund 63 Prozent der erfassten Vergaben allein der Preis.

Kosten und Kostentreiber

Was es kostet, eine Software entwickeln zu lassen, hängt von den individuellen Anforderungen ab und lässt sich erst mit einem ersten Konzept beziffern. Wer Software entwickeln lassen will, rechnet bei Preisen für Softwareentwicklung mit Aufwand in Stunden mal Stundensatz, dazu kommen Betrieb und Wartung. IT-Freelancer der Software- und Webentwicklung nannten 2026 einen Median von 90 Euro pro Stunde (freelancermap, Freelancer-Kompass 2026, 2026). Wenn Unternehmen Software entwickeln lassen, treiben vor allem diese Faktoren den Aufwand:

☞ Zahl und Tiefe der Funktionen
☞ Schnittstellen zu bestehenden Systemen
☞ Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz
☞ Barrierefreiheit der Benutzeroberfläche

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