NIS-2: Maßnahmen für Konzerne
NIS-2 Maßnahmen für Konzerne im Überblick
Bereits 87 % der Großunternehmen in Deutschland berichteten laut Bitkom im Jahr 2025 von digitalen Angriffen betroffen gewesen zu sein. Die Tendenz ist steigend – besonders dort, wo Sicherungslücken oder unklare Zuständigkeiten bestehen.
Das NIS-2-Umsetzungsgesetz verpflichtet betroffene Organisationen erstmals dazu, IT-Sicherheit verbindlich und konzernweit in der Tiefe zu regulieren. Einheitliche Risikomanagement-Prozesse, strukturierte Incident Response sowie konsequente Schutzmaßnahmen bilden dabei das Rückgrat eines wirksamen, standortübergreifenden Sicherheitsniveaus. Definierte Verantwortlichkeiten, laufende Audits und die Kontrolle der Lieferkette zählen ebenso zu den wesentlichen Maßnahmen wie regelmäßige Awareness-Schulungen.
Verzahnung von Sicherheitsprozessen
Wer NIS-2 nur halbherzig umsetzt, riskiert nicht nur erhebliche finanzielle und rechtliche Konsequenzen, sondern auch Reputationsschäden und fatale Ausfälle im Tagesgeschäft. Die NIS2-Richtlinie macht Schluss mit Insellösungen und fordert die konsequente Verzahnung aller Sicherheitsprozesse im Konzern. Einen Überblick zu Hintergründen und gesetzlichen Pflichten bietet die NIS-2-Übersichtsseite.
Was sind die wichtigsten Maßnahmen für NIS-2-Compliance im Konzern?
Die NIS-2-Richtlinie fordert von Konzernen einen strukturierten, alltagstauglichen Ansatz. Einzelne NIS-2-Maßnahmen, die nicht abgestimmt sind, reichen heute nicht mehr aus: Es geht vielmehr darum, alle Anforderungen in einem durchdachten Gesamtkonzept zu bündeln und regelmäßig anzupassen. Nur ein solches Vorgehen erfüllt die NIS-2-Regularien für Konzerne und schützt vor Bußgeldern, Reputationsrisiken und regulatorischen Hürden.
Im Folgenden haben wir die sieben wichtigsten Maßnahmen für die NIS-2-Umsetzung aufgelistet:
Risikomanagement und Gap-Analyse
Ein proaktives und konzernweites Risikomanagement bleibt das Fundament der Cybersecurity im Konzern. Die Bandbreite der Risiken wächst stetig durch neue digitale Geschäftsmodelle, internationale Lieferketten und steigende NIS-2 Anforderungen in Konzernen. Eine initiale wie fortlaufende NIS-2-Betroffenheitsprüfung und die Gap-Analyse helfen, Schwachstellen und Abweichungen zu den Vorgaben frühzeitig sichtbar zu machen.
Die Integration von Bewertungsmodellen, modernen Assessmenttools und regelmäßigen Abgleichen zwischen Holding und Töchtern verhindert nicht nur Blind Spots, sondern minimiert auch das Risiko, dass wichtige NIS-2-Maßnahmen im Konzern unterlaufen werden. Informationen zu juristischen Aspekten und Best Practices sind hier zu finden: NIS2-Risikomanagement und Haftungsrisiken.
Kernelemente für das NIS2-Risikomanagement
- Ganzheitliche Risikoanalyse auf Konzernebene
- Jährliche Gap-Analyse und Aktualisierung
- Abgleich von Holding- und Tochterrisiken
- Einbindung aller relevanten Akteure
ISMS nach NIS-2: Aufbau und Integration
Ein ISMS nach NIS-2 ist Voraussetzung, um effektive NIS-2-Maßnahmen für Konzerne zu implementieren und für alle Unternehmenseinheiten verbindlich zu gestalten. Die Entwicklung eines skalierbaren ISMS – idealerweise ISO 27001-basiert – sorgt dafür, dass Prozesse wie das Incident Management, Patchmanagement oder Audits lückenlos und transparent abgebildet werden.
Gleichzeitig ist es entscheidend, dass Maßnahmen und Kontrollprozesse regelmäßig angepasst und zentral dokumentiert werden. Die Kombination aus gruppenweiter Architektur und lokalen Anpassungen macht die NIS-2-Umsetzung im Konzern effizient und revisionssicher.
Erfolgsfaktoren für das ISMS
- Gruppenweite Konsolidierung der ISMS-Landschaft
- ISMS modular und skalierbar halten
- Regelmäßige Überwachung und Audit
- Governance-Schnittstellen klar definieren
Lieferkettenmanagement nach NIS-2: Anforderungen an Einkauf und Partner
Lieferkettenmanagement ist eine der zentralen NIS-2-Maßnahmen für Konzerne. Die meisten Vorfälle entstehen durch Schwachstellen bei externen IT-Dienstleistern oder Lieferanten – vor allem, wenn keine kontinuierliche Bewertung und keine klaren Cybersecurity-Kriterien in Verträgen verankert wurden. Hier wird der Einkauf zur Kontrollinstanz: Er muss NIS-2 Maßnahmen für Dritte/Lieferanten und Nachweise für alle kritischen Prozesse regelmäßig prüfen.

Ein wirksames Supplier Management prüft zudem die Schutzmaßnahmen von Partnern und macht Kontrollrechte vertraglich bindend. Fehler im Supplier Management, wie das Fehlen von Audit-Routinen und eigenen Kontrollrechten, erhöhen das Sicherheitsrisiko (mehr dazu unter NIS2: Fehler bei der Umsetzung).
Maßnahmen für die Lieferkettensicherheit
- Auswahl und kontinuierliche Bewertung aller Lieferanten
- Sicherheitskriterien vertraglich festlegen
- Audit- und Kontrollrechte einfordern
- Einkauf als Schlüsselstelle etablieren
Business Continuity Management nach NIS-2
Business Continuity Management nach NIS-2 sichert ab, dass Geschäftsprozesse auch bei schwerwiegenden Cybervorfällen nicht zum Erliegen kommen. NIS-2-Verantwortlichkeiten im Konzern müssen klar regeln, welche Stellen im Ernstfall Notfallpläne auslösen, Wiederanlaufkonzepte umsetzen und Meldeprozesse koordinieren.
Wesentlich dabei: Die Verknüpfung von Business Continuity mit den NIS-2 Meldepflichten und den Datenschutzanforderungen sorgt dafür, dass Prozesse im Störfall trotz aller Interdependenzen weiterlaufen. Die regelmäßige Einbindung aller Unternehmensbereiche, von interner IT bis Facility Management, erhöht die Resilienz und schützt vor Dominoeffekten in der gesamten Gruppe.
Bausteine für das Business Continuity Management
- BCM auf allen Ebenen etablieren
- Notfall- und Wiederanlaufpläne testen
- Kommunikationswege und Eskalationen klären
- Pläne mit Datenschutz und Incident Handling verzahnen
Incident Management und Meldeprozesse
Im komplexen Konzernumfeld reicht ein einfaches Meldesystem nicht mehr aus. Gefragt sind klare und überprüfbare Meldeprozesse entsprechend den NIS-2 Meldefristen und Meldewegen – inklusive Abläufe, die sowohl interne als auch externe Pflichten abdecken. Schnelle, automatisierte Erkennung und Bewertung von Sicherheitsvorfällen – möglichst über SIEM- und Monitoringtools – sind Teil dieser NIS-2-Maßnahmen für Konzerne.
Die Übergänge zwischen lokalen Incident Teams, zentralem CERT und Behörden wie dem BSI müssen nahtlos und überprüfbar verlaufen. Fehlerhafte Meldekette oder Verzögerungen werden aufsichtsrechtlich mittlerweile streng sanktioniert.
Standards für Incident Management und Meldewesen
- Zentrale Meldestelle und Prozess für Vorfälle schaffen
- Meldefristen und Abläufe regelmäßig testen
- Automatisiertes Monitoring einsetzen
- Integration mit Datenschutz sicherstellen
NIS-2 konforme Schutzmaßnahmen
Ohne ein abgestimmtes, konzernweites Schutzmaßnahmen-Set lassen sich die NIS-2-Schutzstandards nicht erfüllen. Zu den Mindestmaßnahmen gehören Zugriffsbeschränkungen, Verschlüsselung, regelmäßige Patch-Updates, Multi-Faktor-Authentifizierung und ordnungsgemäße Protokollierung. Auch die Umsetzung von Backuplösungen ist im Rahmen der NIS-2-Implementierung verbindlich. Wichtig ist dabei die Anpassung an neue Bedrohungen und die Verknüpfung mit den Ergebnissen der NIS-2 Audit- und Monitoring-Prozesse.
Anforderungen an Schutzmaßnahmen
- Zugriffskontrollen und Verschlüsselung umsetzen
- Patch- und Schwachstellenmanagement etablieren
- Multi-Faktor-Authentifizierung und Protokollierung nutzen
- Maßnahmen und Nachweise kontinuierlich überprüfen
NIS-2 Verantwortlichkeiten im Konzern: operative Steuerung und Schnittstellen
NIS-2-Verantwortlichkeiten im Konzern reichen von der Leitung bis zu den operativen Fachbereichen. Um NIS-2-Maßnahmen im Konzern rechtssicher zu implementieren, wird ein klar definiertes Zusammenspiel zwischen zentralen Governance-Strukturen, Compliance, IT und Einkauf benötigt.
Die Benennung spezifischer Entscheidungs- und Kontrollrollen für jedes Handlungsfeld – und deren transparente Dokumentation – ist Pflicht. Nur wenn alle Schnittstellen, besonders bei internationalen Konzernstrukturen, aktiv abgestimmt und nachweisbar funktionieren, kann NIS-2 Compliance dauerhaft sichergestellt werden. Hier gilt: Operative Umsetzung bedeutet laufende Kommunikation, Kontrolle und Anpassung der Rollenverteilung, abgestimmt auf länderspezifische Rahmenbedingungen. Praxisdetails können im Artikel NIS-2-Governance im Konzern nachgelesen werden.
Eckpunkte der Verantwortlichkeitsverteilung
- Klare Aufgaben- und Entscheidungszuteilung (RACI)
- Kompetenzen zentral und dezentral abgrenzen
- Schnittstellen und Prozesse regelmäßig evaluieren
- Internationale Vorgaben konsistent integrieren
Wie oft müssen NIS-2-Maßnahmen im Konzern auditiert oder überprüft werden?
Mindestens einmal pro Jahr steht im Konzern ein vollständiges Audit der NIS-2-Maßnahmen auf dem Plan – das reicht aber selten aus. Zusätzlich sind gezielte Überprüfungen etwa nach Systemmigrationen, Zukäufen oder Vorfällen entscheidend, damit die Cybersecurity nicht hinter die Komplexität des Konzernalltags zurückfällt. Laufendes Monitoring und ein schneller Blick auf alle zentralen Auditberichte helfen, Risiken früh zu erkennen.
Entscheidend ist, dass die Abläufe fest vergeben sind und jede Kontrolle auch echte Konsequenzen hat. Wer Kontrollaufgaben nur auf dem Papier regelt, übersieht schnell, wo das eigene Schutzsystem Lücken lässt – und setzt die gesamte NIS-2-Compliance im Konzern aufs Spiel.