User First – Warum UX-Design in der Webentwicklung so wichtig ist

UX und UI Design haben sich zu Modewörtern entwickelt, die im Bereich Webentwicklung gern in den Raum geworfen werden. Doch was verbirgt sich dahinter und warum werden User im Webdesign immer wichtiger?
Zwei UX Designer planen die BedienoberflÀche ihrer Software anhand von User Journeys auf Post-Its.
© WavebreakMediaMicro
Erstellt :ago

Entwicklungen im Web Development

Das Web Development ist eine noch recht junge Disziplin, die ihren Ursprung in den spĂ€ten 1990er Jahren findet und, wie so viele Professionen, zunĂ€chst von Nerds und Laien ausgeĂŒbt wurde. WĂ€hrend der Ansatz lange Learning by Doing war, haben in den letzten Jahren vor allem enorme technische Fortschritte fĂŒr einen Umschwung gesorgt. Heute gibt es im Bereich Webentwicklung sogar verschiedene StudiengĂ€nge.

Mobile First zu User First

Eine große Bewegung der letzten Jahre war und ist das Mobile-First-Prinzip, welches aufgrund der erhöhten mobilen Internetnutzung vorgibt, Webseiten auf Grundlage des kleinstmöglichen Displays, bspw. eines Smartphones, zu entwickeln und so eine mobilfreundliche Ansicht zu kreieren, die sich mithilfe von Responsive Webdesign allen grĂ¶ĂŸeren Bildschirmen anpasst.

WĂ€hrend die Technologien dafĂŒr noch gar nicht so alt sind, ist selbst dieser Trend schon wieder Schnee von gestern. Die Webentwicklung, aber auch die Softwareentwicklung und digitale Medien im Allgemeinen haben einen neuen Fokus: User. Eigentlich eine naheliegende Schlussfolgerung, die Anwender*innen von Anwendungen in den Blick zu nehmen, eine tiefgreifende theoretische BeschĂ€ftigung kam aber erst in den letzten Jahren ins Rollen.

User Experience und User Interface Design

FunktionalitĂ€t und LeistungsfĂ€higkeit sind nur die eine Seite der Medaille, wenn es um Mediennutzung geht. User Experience, kurz UX, meint ein positives Erlebnis in der Interaktion mit einem Produkt oder verschiedenen Medien. Verantwortlich dafĂŒr ist das User Interface Design (UI), die Anordnung der verschiedenen Elemente und Funktionen auf der BenutzeroberflĂ€che, welche möglichst ĂŒbersichtlich und intuitiv aufgebaut sein sollte. User Journeys zeigen in diesem Zusammenhang den Weg, den Nutzer*innen von Websites oder Apps gehen, welche entweder die Grundlage fĂŒr das Design bilden oder als Analyse einer existierenden Anwendung dienen können.

Warum ist ein intuitives Nutzererlebnis so wichtig? Aus der eigenen Nutzungserfahrung kennen wir alle den Frustrationsmoment, wenn ein Aspekt einer Anwendung nicht wie erwartet funktioniert oder etwas nicht auffindbar ist – dies fĂŒhrt zum Abbruch der Nutzung und dazu, dass man der Anwendung und im schlimmsten Falle auch dem dahinter stehenden Unternehmen den RĂŒcken kehrt.

Vermenschlichung von GerÀten

Ein Unternehmen, welches die User Experience perfektioniert hat, ist der Hard- und Softwarehersteller Apple. Und dies mit großer Wirkung: Der Neurowissenschaftler Prof. JĂŒrgen Gallinat aus Berlin hat einen Test durchgefĂŒhrt, bei dem durch Messung der GehirnaktivitĂ€ten gezeigt wird, welche Areale bei der Benutzung unterschiedlicher GerĂ€te besonders beansprucht werden.

Was Apple im menschlichen Gehirn auslöst, hat nicht mehr vorrangig etwas mit vernunftgeleitetem, planerischem Handeln zu tun, welches sich im prĂ€frontalen Cortex Ă€ußert und beispielsweise bei Samsung GerĂ€ten zu beobachten ist. Vielmehr werden die Temporallappen und solche Areale aktiviert, die mit Gesichtern und der Sympathie von Personen zusammenhĂ€ngen. Apple erreicht also eine Vermenschlichung seiner GerĂ€te und Software, was mit Sicherheit nicht unwesentlich zum kommerziellen Erfolg des Unternehmens beitrĂ€gt.

Diese Untersuchung zeigt, wie wichtig, aber auch wie machtvoll UX Design sein kann. Anwendungs- und Produktdesign so auf die Spitze zu treiben, dass es nicht nur intuitiv und angenehm ist, sondern eine emotionale Bindung aufbaut, gehört definitiv zu den Königsdisziplinen der Web- und Softwareentwicklung.

Wie lĂ€sst sich diese Erkenntnis möglicherweise nicht nur fĂŒr den kommerziellen Erfolg von Soft- und Hardware, sondern fĂŒr eine Gesellschaft nutzen, in der soziale Medien eher den Narzissmus statt ein tatsĂ€chlich soziales Miteinander fördern? Wie kann durch UX Design nicht nur die emotionale Bindung zu einem GerĂ€t oder einer OberflĂ€che, sondern zu den Menschen am anderen Ende gestĂ€rkt werden?

GefÀllt dir, was du siehst? Teile es!
Neueste BeitrÀge
Die Erde vom Weltall betrachtet. Die Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg daran vorbei. Ein Satellit fĂŒr Erdbeobachtung schwebt darĂŒber.
Satellitendaten im Alltag: Wie Erdbeobachtungs-Software Felder, StÀdte und Klima verÀndert
Wenn ein Landwirt seine Subventionsunterlagen einreicht, hat ein Satellit bereits gemessen, ob das Feld tatsĂ€chlich die gemeldete Kultur trĂ€gt. Wenn Stadtplaner Hitzeinseln identifizieren, laufen die Analysen ĂŒber Satellitendaten. Wenn nach einer Überschwemmung Hilfe koordiniert wird, arbeiten EinsatzkrĂ€fte mit in Echtzeit aktualisierten Karten aus dem Orbit. Was all das verbindet: Software, die rohe Sensordaten in entscheidungsrelevantes Wissen verwandelt — und die in immer mehr Bereichen des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens unsichtbar Einzug hĂ€lt.
Ein Philosoph in Toga unterhĂ€lt sich auf Augenhöhe mit einem humanoiden Roboter – ein Sinnbild dafĂŒr, wie bewĂ€hrte Legacy-Systeme und moderne KI bei der Modernisierung zusammenfinden.
Legacy-Modernisierung mit KI: Altsysteme digital recyceln
Legacy-Modernisierung gilt als Mammutaufgabe – doch kĂŒnstliche Intelligenz verspricht, Altsysteme in Quartalen statt Jahren zu erneuern. Dieser Beitrag ordnet ein, was KI beim Modernisieren von Altsystemen wirklich leistet, wo sie scheitert und wie sich Legacy-Software mit KI realistisch modernisieren lĂ€sst – ohne teure Fehlentscheidungen.
Eine digitale Waage in einer glĂ€sernen Kugel als Sinnbild fĂŒr KI, Recht und Gerechtigkeit, umgeben von einem futuristischen Cyber-Gerichtssaal mit juristischen und technischen Symbolen. Ein Symbolbild fĂŒr das EU-SouverĂ€nitĂ€tspaket und die rechtliche Regulierung von kĂŒnstlicher Intelligenz und digitaler SouverĂ€nitĂ€t.
EU-SouverĂ€nitĂ€tspaket: Was digitale SouverĂ€nitĂ€t jetzt fĂŒr die Vergabe bedeutet
Am 3. Juni 2026 hat die EU-Kommission das europĂ€ische SouverĂ€nitĂ€tspaket vorgelegt – mit dem Cloud and AI Development Act als HerzstĂŒck. WĂ€hrend die meisten Schlagzeilen bei Milliardensummen und Big-Tech-AbhĂ€ngigkeit stehen bleiben, entscheidet sich die eigentliche Wirkung an einer unscheinbaren Stelle: in der Vergabe. Denn das Paket ĂŒbersetzt digitale SouverĂ€nitĂ€t erstmals in eine abgestufte Klassifizierung, die direkt in Ausschreibungen einfließen kann. Dieser Beitrag ordnet das Wichtigste ein – und zeigt, was die vier SouverĂ€nitĂ€tsstufen konkret fĂŒr Behörden, KRITIS-Betreiber und Mittelstand bedeuten.