Barrierefreiheit Internet

Barrierefreiheit im Internet wird meist mit Blindheit verbunden. Der größte Teil der Betroffenen sieht durchaus, hat aber eine Sehschwäche, eine motorische Einschränkung oder schlicht eine schlechte Verbindung.
Eine Frau im Rollstuhl sitzt am Schreibtisch vor einem Laptop und nutzt die Barrierefreiheit im Internet.
© Marcus Aurelius

Was bedeutet Barrierefreiheit im Internet?

Barrierefreiheit im Internet bezeichnet die chancengleiche Nutzbarkeit digitaler Angebote, unabhängig von individuellen Fähigkeiten und technischer Ausstattung. Gemeint sind nicht nur Websites, sondern ebenso Apps, Verwaltungsleistungen, Onlineshops und Streaming-Dienste. Der Begriff beschreibt einen messbaren Zustand, kein Bemühen, und wird gegen festgelegte Kriterien geprüft.

Diese Kriterien entstanden Ende der neunziger Jahre, als das World Wide Web Consortium die Web Content Accessibility Guidelines veröffentlichte. Sie sind bis heute der internationale Maßstab. Die europäische Norm EN 301 549 überträgt sie auf den europäischen Rechtsrahmen und erweitert sie auf Software, Dokumente und Hardware. Den daraus folgenden Pflichtenrahmen ordnet der Leitfaden zum Barrierefreiheitsgesetz ein.

Wer davon profitiert

Der Kreis ist größer als die Statistik der anerkannten Behinderungen. Dazu zählen Menschen mit Sehschwäche, Farbsehschwäche, Hörverlust oder eingeschränkter Feinmotorik, dazu die wachsende Gruppe älterer Nutzer.

Auch vorübergehende Lagen erzeugen dieselben Hürden, etwa ein gebrochener Arm, grelles Sonnenlicht auf dem Display oder eine Umgebung, in der kein Ton abgespielt werden kann. Wer Inhalte in einfacher Sprache anbietet, erreicht zusätzlich Menschen mit geringen Sprachkenntnissen. Barrierefreiheit im Internet ist damit keine Randgruppenfrage, sondern eine Eigenschaft, die die Reichweite eines Angebots bestimmt.

Wo die Umsetzung heute steht

Web Accessibility ist längst nicht mehr auf den Desktop beschränkt. Smartwatches, Sprachassistenten und Bedienterminals gehören dazu, und jede Geräteklasse bringt eigene Eingabewege mit. Was auf einer Website gilt, lässt sich deshalb nicht ungeprüft übertragen. Sprachbedienung ersetzt dabei keine Tastaturbedienung, weil sie in lauten Umgebungen und bei Sprechbeeinträchtigungen ausfällt.

In der Praxis scheitert Web Accessibility seltener am Wissen als am Zeitpunkt. Wird erst nach der Fertigstellung geprüft, betreffen die Befunde Struktur und Datenmodell und nicht nur die Oberfläche. Der Test gehört deshalb in den Entwicklungsprozess und wird bei jeder Änderung wiederholt.

Prüfung gegen die Richtlinien

Automatische Werkzeuge decken die messbaren Kriterien ab, etwa Kontrastwerte oder fehlende Alternativtexte. Sie erreichen damit nur einen begrenzten Teil der Erfolgskriterien und ersetzen die Prüfung von Hand nicht, sondern grenzen sie ein und sparen dort Zeit. Alles Weitere entscheidet sich in der Bedienung mit Tastatur, Screenreader oder Vergrößerungssoftware. Wie die einzelnen Erfolgskriterien und ihre Konformitätsstufen zusammenhängen, ordnet der Beitrag zur WCAG-Konformität ein, die Einordnung in den gesamten Pflichtenkreis leistet die digitale Barrierefreiheit.

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