LDAP: Lightweight Directory Access Protocol

In den meisten Organisationen liegt längst fest, wer welche Software öffnen darf. Die Frage ist nur, ob jede neue Anwendung diese Information erneut pflegt oder LDAP nutzt, um sie an einer Stelle abzufragen.
Mitarbeiter*innen einer Agentur sitzen an einem Laptop und verschaffen sich mit dem LDAP Protokoll den Zugriff auf den Verzeichnisdienst Microsoft Active Directory.
© ""

Was ist LDAP?

LDAP steht für Lightweight Directory Access Protocol und regelt den Zugriff auf einen Verzeichnisdienst, also auf ein zentrales Verzeichnis von Benutzern, Gruppen, Geräten und Berechtigungen einer Organisation. Anwendungen fragen darüber ab, ob eine Anmeldung gültig ist und welche Rechte und Gruppenzugehörigkeiten dazugehören. Bekannte Vertreter sind Active Directory von Microsoft und das freie OpenLDAP.

Entstanden ist das Protokoll Anfang der neunziger Jahre an der University of Michigan als schlankere Fassung des Directory Access Protocol aus dem X.500-Standard. Seine Struktur ist offen und in mehreren RFC beschrieben. Ein zentrales Verzeichnis ist der Ankerpunkt jedes Berechtigungskonzepts, weshalb es im IT-Sicherheitsmanagement eine eigene Rolle spielt.

Warum es keine gewöhnliche Datenbank ist

Ein Verzeichnis ähnelt einer Datenbank, ist aber auf Lesen ausgelegt. Relationale Systeme sollen große Datenmengen schnell aufnehmen, ein Verzeichnis dagegen sehr viele gleichzeitige Abfragen beantworten. Geschrieben wird selten, meist beim Anlegen oder Sperren eines Kontos.

Der Vergleich mit einem Telefonbuch trifft es. Es wird dauernd nachgeschlagen und selten geändert. Aus dieser Auslegung folgt der typische Einsatz, nämlich Benutzerverwaltung, Authentifizierung in Unternehmenssoftware und eine einzige Anmeldung für mehrere Anwendungen. Ein Verzeichnisdienst hält daneben auch Adressbücher und Gerätelisten, die viele Beschäftigte gleichzeitig abfragen.

Aufbau des Verzeichnisbaums

Das Verzeichnis ist hierarchisch organisiert. Jeder Eintrag hat eine feste Position in einem Baum, der beim Wurzelelement beginnt und sich über Länder, Organisationen, Organisationseinheiten und Domänenbestandteile bis zu einzelnen Personen oder Geräten verzweigt.

Unterschieden werden Container, die weitere Objekte aufnehmen, und Blätter am Ende eines Astes. Der vollständige Pfad zu einem Eintrag heißt Distinguished Name, ein einzelner Abschnitt davon Relative Distinguished Name. Die Baumstruktur bildet die Organisation ab, weshalb eine Umstrukturierung im Unternehmen auch das Verzeichnis betrifft. Über Gruppenmitgliedschaften werden darin Rollen zugeordnet, was die Rechtevergabe von einzelnen Konten löst.

Anbindung eigener Anwendungen

Viele Standardprodukte bringen eine LDAP-Anbindung mit. Für Eigenentwicklungen muss sie gebaut werden, meist verschlüsselt über LDAPS oder StartTLS, weil Anmeldedaten sonst im Klartext über das Netz gehen. Diese Schnittstellenentwicklung bleibt überschaubar, solange Struktur und Gruppenzuordnung des Verzeichnisses vorher feststehen.

Der Gewinn zeigt sich vor allem beim Systemwechsel. Fragt eine neue Anwendung dieselbe Verzeichnisquelle ab, entfällt das Übertragen von Konten und Berechtigungen, und gesperrte Konten wirken sofort in allen angebundenen Systemen. Die Anbindung ersetzt keine Rechteplanung, sie setzt nur um, was im Verzeichnis bereits hinterlegt ist.

Aktuelle Themen