6 brandheiĂe GovTech Trends fĂŒr die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung
- 1. Nr. 1: Digitalisierung öffentliche Verwaltung und die Deutsche Verwaltungscloud (DVC)
- 2. Nr. 2: GovTech Trends 2026: Generative KI in Fachverfahren
- 3. Nr. 3: EUDI-Wallet: Digitale IdentitÀt und Nachweise
- 4. Nr. 4: Once-Only mit NOOTS als Geheimtipp fĂŒr die Digitalisierung öffentlicher Verwaltung
- 5. Nr. 5: Semantische InteroperabilitÀt: Standards, Datenmodelle, XUnternehmen
- 6. Nr. 6: openDesk 2026 - Open-Source-Arbeitsplatz und Kollaboration
Nr. 1: Digitalisierung öffentliche Verwaltung und die Deutsche Verwaltungscloud (DVC)
Viele Digitalprojekte scheitern nicht an der Idee, sondern an der Skalierung: Lösungen entstehen mehrfach, Betriebsfragen kommen zu spĂ€t, Standards fehlen. Genau hier setzt die Deutsche Verwaltungscloud (DVC) an â als gemeinsamer Hebel, damit die Digitalisierung der Verwaltung nicht jedes Mal bei null beginnt.
Was bedeutet die Deutsche Verwaltungscloud fĂŒr die Digitalisierung in Behörden?
Die DVC ist ein digitaler Marktplatz fĂŒr Behörden von Bund, LĂ€ndern und Kommunen, ĂŒber den Cloud Services öffentlicher IT-Dienstleister schnell, sicher und rechtssicher bezogen werden können. Seit 1. April 2025 lĂ€uft sie im Produktivbetrieb als Produkt des IT-Planungsrats. Ein Kernbaustein ist das Reifegradmodell: Cloud Services werden anhand definierter Kriterien eingeordnet, was Vergleichbarkeit und Nachnutzung erleichtert.
Warum das 2026 wichtig bleibt, zeigen Zahlen: Laut Bitkom e. V. sind 165 von 579 OZG-Leistungen deutschlandweit umgesetzt, 230 seien noch gar nicht digital. Der eGovernment MONITOR 2025 deutet in dieselbe Richtung: Die Zufriedenheit mit dem digitalen Angebot vor Ort liegt bei 61 %, die generelle Zufriedenheit mit der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung bei 55 %.
Praktische Tipps fĂŒr die Digitalisierung mittels DVC
Damit die Digitalisierung in Behörden ĂŒber die DVC nicht in Einzelprojekten stecken bleibt, lohnt ein Blick auf den Betrieb: Cloud Services brauchen Application Management wie jede geschĂ€ftskritische Anwendung â also klare ZustĂ€ndigkeiten, Monitoring, Patch- und Incident-Prozesse sowie planbare Release-Zyklen. Und weil sich Anforderungen, Sicherheitslagen und Schnittstellen Ă€ndern, gehört Lifecycle-Management direkt dazu: Services mĂŒssen versioniert, weiterentwickelt und, wenn nötig, sauber abgelöst werden.
FĂŒr die Praxis helfen fĂŒnf klare Startpunkte, um die Digitalisierung in Behörden ĂŒber die DVC betriebsfĂ€hig aufzusetzen:
- Schutzbedarf klÀren und Serviceklassen definieren (Fachverfahren vs. Querschnitt)
- Zwei bis drei nachnutzbare Services priorisieren (z. B. Kollaboration, Datenplattform, Portal-Baustein)
- Betriebsanforderungen festziehen: SLAs, Updatefenster, Monitoring, Incident-Prozess
- Schnittstellen und IdentitÀten standardisieren (IAM, Rollen, Logging) statt Einzellösungen
- Exit und PortabilitÀt vertraglich verankern (Datenexport, Standards, ContainerfÀhigkeit)
Nr. 2: GovTech Trends 2026: Generative KI in Fachverfahren
Generative KI wird 2026 dort interessant, wo sie nicht neben der Arbeit lĂ€uft, sondern im Fachverfahren. Der Unterschied ist: Ein Chatfenster liefert im besten Fall Text â ein integrierter Assistent reduziert echte Schritte im Prozess. Typisch sind drei Einsatzarten, die sich gut kombinieren lassen: Verstehen (klassifizieren, extrahieren, zusammenfassen), Formulieren (EntwĂŒrfe fĂŒr Antworten/Bescheide) und Entscheiden vorbereiten (VorschlĂ€ge mit BegrĂŒndung, aber ohne automatische Festsetzung).
GovTech Trends fĂŒr Automatisierung und KI-Governance
Damit das zuverlÀssig funktioniert, braucht es zwei technische Leitplanken.
Erstens: RAG statt Freitext-KI. RAG (Retrieval-Augmented Generation) ist ein Ansatz, bei dem eine KI vor der Antwort passende Inhalte aus freigegebenen Dokumenten oder Datenbanken abruft. Diese Textstellen werden der KI als Kontext mitgegeben, damit sie daraus eine Antwort formuliert, statt frei zu raten. So werden Antworten nachvollziehbarer, aktueller und besser kontrollierbar, weil die erlaubten Quellen klar festgelegt sind.
Zweitens: Kopplung an den Vorgang. Die KI muss Kontext bekommen: Aktenzeichen, Dokumente, Fristen, ZustĂ€ndigkeit â und darf nur in den Datenklassen arbeiten, die freigegeben sind.
Der nĂ€chste groĂe Block ist Governance. KI-Governance ist kein Papierwerk, sondern die Betriebsanleitung fĂŒr den Regelbetrieb: Rollen, PrĂŒfpfade, Protokollierung, Sperrlisten, Update-Regeln. Ohne diese Basis entsteht Schatten-IT. Mithilfe der Anleitung wird KI planbar, auditierbar und wartbar.
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Diese fĂŒnf Bausteine sind fĂŒr eine saubere KI-Governance unabdingbar:
- Prozess mit hohem Volumen und klaren Regeln wÀhlen (z. B. Posteingang, Nachforderung, Auskunft)
- Freigegebene RAG-Quellen definieren und versionieren
- Menschliche PrĂŒfung festlegen: Wann Entwurf? Wann Vorschlag? Wann Pflichtfreigabe?
- Betriebsregeln setzen: Logging, Monitoring, Incident-Prozess, Release-Zyklen
- KI-Governance dokumentieren: Rollen, Datenklassen, QualitÀtskriterien, Audit-Trail
Nr. 3: EUDI-Wallet: Digitale IdentitÀt und Nachweise
Ohne verlĂ€ssliche digitale IdentitĂ€t bleibt vieles StĂŒckwerk: AntrĂ€ge starten online, enden aber mit Ausdrucken, Scans oder persönlicher Identifikation vor Ort. Die EUDI-Wallet soll genau diese LĂŒcke schlieĂen und damit die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Richtung durchgĂ€ngiger Prozesse schieben.
Was ist die EUDI-Wallet?
Die EUDI-Wallet ist eine europĂ€ische âdigitale Brieftascheâ auf dem Smartphone. Sie bĂŒndelt die digitale IdentitĂ€t und digitale Nachweise so, dass sie grenzĂŒberschreitend nutzbar werden â mit dem Grundprinzip, dass nur die wirklich notwendigen Daten geteilt werden und die Kontrolle bei den Nutzenden liegt. Grundlage ist die novellierte eIDAS-2.0-Verordnung: Nationale eIDs wie die Online-Ausweisfunktion werden interoperabel weitergedacht, und alle EU-Mitgliedstaaten mĂŒssen bis Ende 2026 eine Wallet-Lösung bereitstellen.
Praxis-Check fĂŒr die EinfĂŒhrung der EUDI-Wallet in Behörden-Portalen:
- Leistungen mit hohem Identifikationsbedarf priorisieren (z. B. RegisterauskĂŒnfte, Bescheinigungen)
- Nachweis-Use-Cases festlegen: âPrĂŒfenâ zuerst, âAusstellenâ danach (schneller Start)
- Vollmachten/Berechtigungen als eigenes Mini-Projekt behandeln (Rollen, Nachweislogik)
- Fallbacks definieren: Was passiert, wenn Wallet/eID nicht funktioniert?
- Betrieb einplanen: Monitoring, Updates, Incident-Prozess und klare ZustÀndigkeiten
Nr. 4: Once-Only mit NOOTS als Geheimtipp fĂŒr die Digitalisierung öffentlicher Verwaltung
Viele Digitalisierungs-Vorhaben in Behörden wirken nach auĂen digital, bleiben intern aber analog: Nachweise werden hochgeladen, manuell geprĂŒft, wieder abgelegt â und beim nĂ€chsten Antrag erneut angefordert. Once-Only dreht das Prinzip um: Daten und Nachweise werden (mit Rechtsgrundlage und Protokollierung) zwischen öffentlichen Stellen ausgetauscht, statt immer wieder neu eingesammelt. Das Once-Only-Prinzip wird in Deutschland damit vom Leitbild zur umsetzbaren Praxis â wenn Register, Portale und Fachverfahren sauber verbunden sind.
Was ist NOOTS und wie beschleunigt es Once-Only?
NOOTS steht fĂŒr Nationales Once-Only-Technical-System. Es ist die technische Infrastruktur, die den sicheren Nachweisdatenaustausch zwischen öffentlichen Stellen ermöglicht â zwischen Data Providern (Registerstellen) und Data Consumern (Fachverfahren/Online-Dienste). FĂŒr die Umsetzung gehören eng gekoppelte Bausteine dazu: der IdentitĂ€tsdatenabruf (IDA) als Verfahren zur eindeutigen Zuordnung (bereitgestellt u. a. durch das BVA) und das Datenschutzcockpit (DSC), das Transparenz ĂŒber Abrufe unterstĂŒtzt.
Damit NOOTS nicht im Konzeptstadium steckenbleibt, werden Strukturen und Rollout konkret organisiert: Der IT-Planungsrat benennt Umsetzungsstrukturen wie Gesamtleitung, GeschÀftsstelle sowie fachlich koordinierende und betriebsverantwortliche Stelle.
Praktische Tipps fĂŒr die Digitalisierung mit NOOTS:
Once-Only zĂ€hlt zu den GovTech Trends, die besonders schnell Wirkung zeigen, weil weniger Nachweise nachgefordert und weniger Schritte manuell nachbearbeitet werden mĂŒssen.
In der Praxis hilft ein klares Vorgehen, das Prozess und Technik zusammenbringt:
- Leistung mit hohem Nachweisaufkommen auswÀhlen
- Datenfluss definieren: welcher Nachweis aus welchem Register, ĂŒber welche Schnittstelle, wann im Prozess
- Rollen festlegen (Provider/Consumer) und Verantwortlichkeiten fĂŒr Betrieb und Ănderungen dokumentieren
- DSC/Protokollierung von Anfang an mitdenken (Transparenz, SupportfÀlle, Revisionssicherheit)
- Minimalversion planen: erst einen Nachweis sauber automatisieren, dann skalieren
Nr. 5: Semantische InteroperabilitÀt: Standards, Datenmodelle, XUnternehmen
Wenn Daten nicht kongruent sind, hilft auch die beste Plattform nichts: In einem Feld steht âUnternehmenssitzâ, in einem anderen âHauptniederlassungâ, an dritter Stelle wird ein Freitext eingegeben. Das Ergebnis sind MedienbrĂŒche, aufwendiges Mapping und Schnittstellen, die bei jeder kleinen Ănderung versagen. Semantische InteroperabilitĂ€t rĂ€umt genau diese Reibung aus dem Weg â und wird damit zu einem der wichtigsten Beschleuniger fĂŒr durchgĂ€ngige Digitalisierung.
Digitalisierung der Verwaltung durch semantische InteroperabilitÀt
Semantische InteroperabilitĂ€t bedeutet: Gleiche Begriffe, gleiche Bedeutungen, gleiche Strukturen â ĂŒber Systeme und Ebenen hinweg. Der IT-Planungsrat hat dazu konkrete MaĂnahmen beschrieben. Unter anderem die kollaborative Entwicklung und bessere Nachnutzung von Datenmodellen, Standards und Vokabularien sowie den Aufbau von geeigneten Strukturen. In der Praxis heiĂt das: Weniger âDaten ĂŒbersetzenâ, mehr âDaten wiederverwendenâ. Unter den GovTech Trends ist das einer der stillen Erfolgsfaktoren: Wenn Datenmodelle passen, werden Schnittstellen stabiler und Projekte deutlich schneller.
Statt Theorie gibt es dafĂŒr bereits praktische BaukĂ€sten. XUnternehmen ist so ein Baukasten: Er legt fest, wie Unternehmensdaten einheitlich beschrieben werden â zum Beispiel Name, Rechtsform, Anschrift oder Vertretungsberechtigte. Wenn Portal, Fachverfahren und Register diese gemeinsame Sprache nutzen, mĂŒssen Daten nicht stĂ€ndig umgebaut oder per Hand âĂŒbersetztâ werden. Der Nutzen entsteht vor allem dann, wenn diese Regeln nicht nur als PDF existieren, sondern direkt in der Technik stecken: in Schnittstellen (APIs), FormularprĂŒfungen und der Datenstruktur im System.
Leitplanken fĂŒr GovTech mit semantischer InteroperabilitĂ€t
Damit das im Alltag trĂ€gt, helfen fĂŒnf einfache Leitplanken:
- DomÀne auswÀhlen (z. B. Unternehmensdaten) und ein verbindliches Zielmodell festlegen
- InteroperabilitÀts-Backlog aufbauen: kritische Felder, Synonyme, Pflichtfelder, Validierungen
- Persistente Identifikatoren einfĂŒhren (Objekte eindeutig machen, nicht nur Namen vergleichen)
- APIs als VertrĂ€ge behandeln: Versionierung, TestfĂ€lle, Migrationspfade statt âBreaking Changesâ
- Governance klĂ€ren: Wer pflegt Modell/Vokabular? Wer entscheidet Ănderungen? Wie lĂ€uft die Nachnutzung ab?
Nr. 6: openDesk 2026 - Open-Source-Arbeitsplatz und Kollaboration
Digitalisierung endet nicht beim Online-Dienst. Wenn interne Zusammenarbeit, Dokumentenablage und Abstimmung ĂŒber viele Einzellösungen laufen, entstehen Reibung, Schatten-IT und SicherheitslĂŒcken. 2026 rĂŒckt deshalb der digitale Arbeitsplatz stĂ€rker in den Fokus â als Grundlage fĂŒr schnelle Abstimmungen, klare AktenfĂŒhrung und zuverlĂ€ssige Prozesse ĂŒber Organisationsgrenzen hinweg.
Digitalisierung in Behörden mit openDesk und Open Source
openDesk steht fĂŒr einen souverĂ€nen, integrierten Arbeitsplatz auf Open-Source-Basis. Statt Tool-Wildwuchs gibt es ein BĂŒndel aus typischen Funktionen, die im Behördenalltag stĂ€ndig gebraucht werden: gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, Austausch, Ablage, Kollaboration in Projekten und Wissensseiten. Der Vorteil von Open Source liegt weniger im Kostenargument, sondern in der Steuerbarkeit: Roadmaps, Erweiterungen und Integrationen bleiben verhandelbar â Vendor-Lock-in wird kleiner, Nachnutzung leichter.
Ein Open-Source-Arbeitsplatz muss gepflegt werden â mit Updates, Berechtigungslogik, Support und Schulungen. Gleichzeitig entsteht hier eine Chance, Standards fĂŒr den Alltag zu setzen: einheitliche IdentitĂ€ten, klare Ablagestrukturen, gemeinsame Vorlagen und verlĂ€ssliche Sicherheitsleitplanken.
FĂŒnf pragmatische Schritte fĂŒr den Start mit openDesk
- Zielbild definieren: Standardarbeitsplatz statt Einzellösungen (Mail, Dateiablage, Chat, Wiki/Projekt)
- Betriebsmodell festlegen: zentraler Betrieb, MandantenfÀhigkeit, Support- und Updateprozess
- IdentitÀten und Rechte sauber planen (Rollen, Gruppen, Freigaben, Auditierbarkeit)
- Migration in Wellen: zuerst Teams mit hoher Kollaboration, dann breite Rollouts
- Change-Management einplanen: Schulung, Vorlagen, Nutzungsregeln, klare Verantwortlichkeiten
Am Ende wird Digitalisierung dann stark, wenn aus einzelnen Vorhaben ein verlĂ€ssliches Gesamtsystem wird â mit klaren Standards, sauberen Schnittstellen und Betrieb, der den Alltag trĂ€gt. Genau dort liegt 2026 der entscheidende Hebel fĂŒr die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung.