Magento

Magento ist auf sehr große Kataloge und internationale Mehrmarken-Shops zugeschnitten. Genau dieser Zuschnitt erklärt beides, den Funktionsumfang und die Betriebskosten, die kleinere Projekte regelmäßig überraschen.
Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa beim Online-Shopping. Sie profitiert vom Magento E-Commerce.
© Prostock-studio

Was ist Magento?

Magento ist eine quelloffene E-Commerce-Plattform auf PHP-Basis, die 2008 erschien und seit der Übernahme durch Adobe in zwei Ausprägungen vorliegt. Die kostenlose Variante heißt Magento Open Source, die kommerzielle Adobe Commerce und ergänzt B2B-Funktionen, Cloud-Betrieb und Personalisierung. Beide teilen dieselbe modulare Architektur.

Technisch steht die Plattform im Umfeld der PHP-Entwicklung und nutzt Bausteine aus dem Zend- und Laminas-Ökosystem, dazu MySQL oder MariaDB als Datenbank und Elasticsearch oder OpenSearch für die Produktsuche. Ohne Redis und einen vorgeschalteten Cache erreicht ein Shop keine brauchbaren Ladezeiten, das gehört zur Grundausstattung und nicht zur Optimierung.

Stärken und Betriebsaufwand

Die Stärken liegen in der Mehrmandantenfähigkeit und im B2B-Bereich. Ein Backend verwaltet mehrere Shops, Sprachen, Währungen und Preislisten, Adobe Commerce ergänzt Firmenkonten mit Hierarchien, Angebotsworkflows und Bestelllimits. Kataloge mit hunderttausenden Artikeln sind vorgesehen.

Der Preis dafür ist Aufwand. Die Architektur mit XML-Konfiguration, Dependency Injection, Plugins und Observern setzt spezialisierte Entwickler voraus, und Major-Updates geraten regelmäßig zu eigenen Projekten, weil Erweiterungen untereinander und mit dem Kern inkompatibel werden. In Landschaften aus Enterprise-Software ist der Shop deshalb selten ein isoliertes System, sondern eines von mehreren, die zusammen geplant werden.

Im Vergleich mit Shopware

Beide Systeme laufen auf PHP und decken zusammen einen großen Teil des DACH-Handels ab, zielen aber auf verschiedene Größenordnungen. Magento setzt auf Laminas und ein eigenes Modulsystem und ist auf internationale Szenarien mit nativen B2B-Funktionen ausgelegt. Shopware baut auf Symfony, richtet sich stärker an mittelständische Händler im deutschsprachigen Raum und findet dort leichter Entwickler.

Die Lizenzkosten nennen beide Anbieter nur auf Anfrage und staffeln sie nach Umsatz oder Bruttowarenwert. Für einen Vergleich zählt deshalb nicht der Listenpreis, sondern die Summe aus Lizenz, Hosting, Erweiterungen und laufender Pflege. Beide bringen ein Erweiterungsverzeichnis mit, dessen Qualität schwankt und vor dem Einsatz zu prüfen ist.

Wann ein Standardsystem an Grenzen stößt

Ein Shopsystem lohnt sich, solange die Prozesse zu ihm passen. Wird mehr angepasst als genutzt, kehrt sich der Vorteil um, weil jede Anpassung bei jedem Update erneut geprüft werden muss. Typisch ist das bei Marktplätzen mit eigener Geschäftslogik, bei Abo- und Konfiguratormodellen oder wenn der Shop Teil einer größeren Plattform ist.

Auch das Ende des Herstellersupports für eine eingesetzte Version zwingt zur Entscheidung. Dann stehen ein Upgrade, ein Plattformwechsel und eine eigene Lösung nebeneinander, und die Antwort hängt weniger am System als an der Zahl der Sonderfälle im Bestand.

Aktuelle Themen