TenMedia entwickelt Krisenmanagement-Software für den Bevölkerungsschutz

Das Lagebild Berlin hat ein neues Modul: das Notfallhandbuch. Der Berliner Senat hat die Erweiterung am 31. März 2026 offiziell vorgestellt. TenMedia hat dieses Modul entwickelt, die Implementierung verantwortet und übernimmt die laufende Wartung. Dieser Beitrag zeigt, was hinter dem Projekt steckt und welche Anforderungen Krisenmanagement-Software im Bevölkerungsschutz heute erfüllen muss.
Ein Wohnzimmer steht völlig unter Wasser. Zwischen im Wasser schwebenden Möbeln treibt überrascht ein Mann. Ein eugenzwinkerndes Bild, das zeigt, dass krisenmanagement-software Hilfe für jederman sein kann.
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Erstellt von Dietmar :ago

Das Notfallhandbuch: Krisenmanagement-Software im Lagebild Berlin

Seit März 2026 bündelt das Lagebild Berlin Notfallpläne, Kontakte und Lageinformationen in einem neuen Modul – dem Notfallhandbuch. Die Pressemitteilung der Senatskanzlei dokumentiert den offiziellen Start. Hinter dem Modul stehen neben der verantwortlichen Behörde auch wir von TenMedia als Dienstleister in der Softwareentwicklung: Wir haben das Notfallhandbuch von der Konzeption über die Programmierung bis zur Implementierung verantwortet und übernehmen die laufende Wartung und Weiterentwicklung.

Ausgangslage und Auftrag

Der Auftrag an unsere Entwickler war klar: ein Modul, das Krisenvorsorge digital abbildet, behördenübergreifend nutzbar macht und in die bestehende Architektur des Lagebilds Berlin integriert. Wer belastbare Individualsoftware für den Ernstfall baut, muss die organisatorische und die technische Seite gleichzeitig im Blick haben.

Was wir umgesetzt haben

Im Notfallhandbuch ist das umgesetzt, was im Krisenfall wirklich gebraucht wird. Im konkreten Einsatz bedeutet das:

➤ Verwaltung von Kontakten, Organisationen und Zuständigkeiten
➤ Echtzeit-Zugriff auf Notfallkontakte
➤ Vorlagenbibliothek für wiederkehrende Krisenszenarien und Maßnahmen
➤ Export-Funktionen für wichtige Informationen ➤ Projektspezifische Backend-Funktionen für erweiterte Anforderungen

Technisch dockt das Modul an die bestehende Infrastruktur des Lagebilds Berlin an und nutzt dessen Schnittstellen. Neue Datenquellen lassen sich anbinden, ohne die bestehende Architektur zu gefährden.

Die größten Herausforderungen im Projekt

Krisenmanagement-Software für den Bevölkerungsschutz unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlichen Verwaltungsanwendungen. Drei Herausforderungen haben das Projekt besonders geprägt:

  • Ausfallsicherheit unter Spitzenlast
    Eine Software darf nicht während einer Großschadenslage ausfallen. Das Notfallhandbuch läuft auf einer redundanten Infrastruktur, die auch bei Teilausfällen arbeitsfähig bleibt. Wer Software für KRITIS entwickelt, sollte Ausfallsicherheit von der ersten Code-Zeile an auf der Agenda haben.
  • Komplexes und leicht administrierbares Rechte-Rollenkonzept
    Mit dem Notfallhandbuch arbeiten Mitarbeitende verschiedener Behörden – mit sehr unterschiedlichen Befugnissen nach strengen Sicherheitsregularien. Das Rollen- und Rechtekonzept musste diese Realität abbilden, ohne die Bedienung unter Zeitdruck zu verkomplizieren. Wer was sehen, ändern oder freigeben darf, folgt klaren Regeln und lässt sich für Audits lückenlos nachvollziehen.
  • Bedienbarkeit unter Stress
    Verantwortliche, die bei einer Alarmierung erst nach Funktionen suchen müssen, verlieren wertvolle Minuten. Barrierefreiheit nach WCAG 2.1 AA war deshalb von Anfang an Teil der Architektur: klare Kontraste, konsistente Navigation und vollständige Tastaturbedienung. Die Umsetzung digitaler Barrierefreiheit ist in diesem Kontext keine Pflichtübung, sondern eine Frage der Einsatzfähigkeit.

Was wir aus dem Projekt mitnehmen

Rückblickend steckt in der technischen Umsetzung vielleicht die Hälfte der Arbeit. Die andere Hälfte steckt im Verständnis der Prozesse. Das erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Menschen, die im Einsatz vor dem Bildschirm sitzen. TenMedia übernimmt die laufende Wartung des Notfallhandbuchs. Wir schulen die Mitarbeitenden im Umgang mit der Software und erhalten von den Verantwortlichen klares Feedback, das direkt in das System zurückfließt.

Was Krisenmanagement-Software für KRITIS und Behörden leisten muss

Die Erfahrungen aus dem Berliner Projekt lassen sich auf viele vergleichbare Vorhaben übertragen. Ob KRITIS-Betreiber, Behörde oder Kommune – die Anforderungen ähneln sich. NIS-2, BSI-Standard 200-4 und die Prinzipien des Business Continuity Management machen digitales Krisenmanagement zur Pflicht – unabhängig von der Organisationsgröße.

Kernfunktionen einer modernen Notfallmanagement-Software

Je nach Einsatzgebiet kann eine solche Software ganz unterschiedliche Funktionen abdecken. Manche Lösungen konzentrieren sich auf die Alarmierung und erreichen Funktionsträger über SMS, Push-Nachricht, E-Mail oder Telefon parallel – und protokollieren, wer reagiert hat. Andere stellen die Koordination in den Mittelpunkt: Aufgabenmanagement mit vorbereiteten Eskalationsstufen, die im Einsatz nur noch bestätigt werden müssen, oder Werkzeuge für die Krisenkommunikation mit Vorlagen und abgestimmten Freigabeprozessen.

Wieder andere Systeme legen den Schwerpunkt auf lückenlose Dokumentation über den gesamten Vorfall. Welche Bausteine am Ende zusammenkommen, hängt vom konkreten Szenario ab. Die Bandbreite kritischer Infrastruktur zeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen je nach Branche und Organisationsform ausfallen können.

Wer braucht Krisenmanagement-Software?

Notfallmanagement-Software ist kein alleiniges Thema für den Katastrophenschutz. Typische Zielgruppen sind:

  • KRITIS-Betreiber, die regulatorische Nachweise erbringen müssen
  • Landes- und Kommunalbehörden im Bevölkerungsschutz
  • Konzerne mit verteilten Standorten und verzweigten Wertschöpfungsketten
  • Mittelständische Unternehmen in regulierten Lieferketten
  • Krankenhäuser
  • Energieversorger und Wasserwerke
  • Hilfsorganisationen und Verbände

Was diese Organisationen verbindet: Jede von ihnen muss im Schadensfall handlungsfähig bleiben. Das gilt längst nicht mehr nur für die klassischen KRITIS-Betreiber. Auch ein mittelständischer Zulieferer, der in der Lieferkette eines Energieversorgers steckt, gerät über NIS-2 oder vertragliche Vorgaben in die Pflicht. Wer dann keinen strukturierten Prozess vorweisen kann, hat im Ernstfall ein Problem – und bei der nächsten Prüfung erst recht.

Worauf KRITIS-Betreiber bei der Auswahl achten sollten

Die Auswahl eines Dienstleisters für die Entwicklung einer individuellen Krisenmanagement-Software beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Prozesse existieren schon, welche Daten müssen migriert und verarbeitet werden, welche Schnittstellen sind unverzichtbar? Nicht die stylischte Oberfläche gewinnt, sondern die belastbarste Architektur. Entscheidend sind:

➤ Läuft das System auch unter Spitzenlast stabil?
➤ Lassen sich bestehende Daten und Systeme anbinden?
➤ Wie schnell agiert der Anbieter bei der Durchführung von Sicherheitsupdates?
➤ Kann jeder Schritt für Audits nachvollzogen werden?
➤ Wurden unabhängige Penetrationstests durchgeführt?
➤ Gibt es eine verbindliche Zusage für Wartung und Weiterentwicklung?
➤ Funktioniert die Software auch offline oder bei eingeschränkter Netzverbindung?

Krisenmanagement-Software mit TenMedia

TenMedia entwickelt Individualsoftware seit über 14 Jahren und hat dabei Anwendungen für Behörden, KRITIS-nahe Organisationen und den Mittelstand geliefert. Das Notfallhandbuch im Lagebild Berlin zeigt, was entsteht, wenn technische Kompetenz und organisatorisches Verständnis zusammenwirken.

Unsere Arbeit ist nach ISO 9001 und ISO 27001 TÜV-geprüft – mehr dazu im Beitrag zur ISO-27001-Zertifizierung. Wer regelmäßig über IT-Sicherheit, Datenschutz und Digitalisierung auf dem Laufenden bleiben will, findet im TenMedia-Newsletter aktuelle Informationen.

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