Sovereign Cloud
Was ist eine Sovereign Cloud?
Eine Sovereign Cloud ist eine Cloud-Infrastruktur, die vollständig den Datenschutz- und Souveränitätsanforderungen eines bestimmten Rechtsraums unterliegt. Für Europa heißt das, dass Daten in europäischen Rechenzentren liegen, ausschließlich europäischem Recht unterstehen und dem Zugriff außereuropäischer Behörden entzogen sind. Gemeint ist also die rechtliche Zuordnung, nicht allein die Geografie.
Damit unterscheidet sich eine souveräne Cloud von einer gewöhnlichen Cloud-Umgebung. Neben dem Standort der Server zählen auch die rechtliche Kontrolle, der laufende Betrieb und der eingesetzte Softwarebestand. Eingeordnet ist das Thema in der digitalen Souveränität, die denselben Anspruch auf Software, Daten und Betrieb insgesamt bezieht.
Warum der Serverstandort nicht genügt
Ein US-amerikanischer Anbieter unterliegt dem CLOUD Act, auch für Server in Europa. US-Behörden können unter bestimmten Voraussetzungen Herausgabe verlangen, unabhängig davon, wo die Daten gespeichert sind. Die Rechtsordnung folgt dem Unternehmen, nicht dem Rechenzentrum.
Hinzu kommt die Frage der operativen Kontrolle. Wer administriert die Verwaltungsebene, wer kann im Störfall auf Systeme zugreifen, und werden diese Zugriffe protokolliert und offengelegt? Auch die eingesetzten Verwaltungswerkzeuge können neue Abhängigkeiten erzeugen. Souveränität ist deshalb keine Eigenschaft des Rechenzentrums, sondern eine Kette aus Recht, Betrieb und Technik, die an ihrem schwächsten Glied reißt.
Fünf Kriterien einer souveränen Cloud
Eine souveräne Cloud wird an fünf Punkten gemessen, die sich unabhängig voneinander prüfen lassen. Die Daten liegen im gewünschten Rechtsraum, der Betreiber ist gegen extraterritoriale Zugriffe immun, der Betrieb erfolgt durch lokales Personal, Zugriffe sind nachvollziehbar und prüfbar, und offene Standards halten den Wechsel zu einem anderen Anbieter offen.
Das letzte Kriterium wird am häufigsten übersehen. Wer herstellerspezifische Dienste tief einbindet, gibt Souveränität technisch wieder ab, auch wenn Standort und Rechtsordnung stimmen. Die fünf Anforderungen mit Praxisbezug behandelt der Beitrag zu souveränen Cloud-Lösungen.
Rahmenwerke und Nachweise
Einen gemeinsamen Prüfrahmen liefert Gaia-X. Es handelt sich nicht um einen Anbieter, sondern um ein Regelwerk, das Mindestanforderungen an Transparenz, Interoperabilität und Datenschutz festlegt und Dienste untereinander vergleichbar macht.
Der Begriff Sovereign Cloud ist rechtlich nicht geschützt, weshalb Anbieter ihn unterschiedlich weit auslegen. Für Behörden und KRITIS-Betreiber ist der Nachweis deshalb fester Teil der Beschaffung. Verlangt wird die belegte Zusicherung, nicht die Werbeaussage, weshalb Verträge, Betriebsmodell und Unterauftragnehmer gleichermaßen geprüft werden. Eine Sovereign Cloud unterscheidet sich am Ende weniger in der Technik als in der Frage, wer im Streitfall entscheidet.
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