IT-Infrastruktur-Dokumentation: konzernweit belastbar statt lückenhaft
- 1. Was eine IT-Infrastruktur-Dokumentation im Konzern leisten muss
- 2. Wer verantwortet die IT-Dokumentation, wenn Tochtergesellschaften ihre IT selbst betreiben?
- 3. Was passiert mit der IT-Infrastruktur-Dokumentation bei Zukauf oder Abspaltung?
- 4. Wie lässt sich IT-Dokumentation automatisch erzeugen statt manuell pflegen?
Was eine IT-Infrastruktur-Dokumentation im Konzern leisten muss
Eine IT-Infrastruktur-Dokumentation muss nicht vollständig sein, sondern belastbar genug für die Fragen, die im Störungsfall und in der Prüfung gestellt werden.
Die IT-Infrastruktur-Dokumentation ist die dauerhaft gepflegte Beschreibung aller IT-Systeme einer Organisation samt ihrer Abhängigkeiten, Zuständigkeiten und Betriebsvorgaben. Sie umfasst Systemverzeichnisse, Netzpläne, Betriebs- und Wiederanlaufvorgaben sowie Berechtigungsmodelle. Anders als eine einmalige Erhebung beschreibt sie keinen Zeitpunkt, sondern wird mit jeder Änderung fortgeschrieben und bleibt damit verbindliche Auskunftsquelle.
Wie wenig Zeit dafür bleibt, zeigt eine repräsentative Befragung von 604 Unternehmen durch Bitkom. Bei einem Internetausfall halten Unternehmen ihr Geschäft im Schnitt 20 Stunden aufrecht, 21 Prozent müssten sofort die Arbeit einstellen. Eine verteilte Systemlandschaft lässt sich so nicht rekonstruieren.
Abgrenzung zur einmaligen Erhebung
Eine IT-Infrastrukturanalyse erhebt den Bestand zu einem Stichtag und endet mit einem Bericht. Die Dokumentation der IT-Infrastruktur beginnt dort, wo dieser Bericht aufhört, und hält den Bestand über Jahre nach. Ein Bericht altert ab dem Tag seiner Übergabe, eine gepflegte IT-Infrastruktur-Dokumentation nicht.
Beides gehört in die strategische Planung der IT-Infrastruktur, wird aber unterschiedlich beauftragt. Die Erhebung ist ein Projekt mit Enddatum. Die Fortschreibung ist eine Daueraufgabe mit eigenem Personalbedarf. Genau deshalb gehört sie in den laufenden Softwarebetrieb und nicht in ein Projektbudget.
Wo die Netzwerkdokumentation an Gesellschaftsgrenzen endet
In einer Unternehmensgruppe hört die Netzwerkdokumentation meist genau dort auf, wo eine andere Gesellschaft beginnt. Die Dokumentation des IT-Netzwerks liegt je Werk vor, die Verbindungen dazwischen fehlen. Diese Übergänge tragen im Störungsfall das größte Risiko und fehlen in der IT-Infrastruktur-Dokumentation am häufigsten.
Bestandsquellen, die im Konzern parallel laufen
Eine Gruppe verfügt fast immer über mehr Verzeichnisse als über Übersicht, was die laufende IT-Infrastruktur-Verwaltung erschwert. Nebeneinander existieren:
- Konfigurationsdatenbank im zentralen Servicemanagement
- Cloud-Konsolen je Anbieter und Region
- Netzwerkdokumentation der einzelnen Standorte
- Verzeichnisdienste mit Konten und Rollen
- Vertrags- und Lizenzbestände im Einkauf
- Tabellen einzelner Tochtergesellschaften
Wie sich Abhängigkeiten zwischen diesen Beständen abbilden lassen, beschreibt das CMDB Mapping. Eine IT-Infrastruktur-Dokumentation scheitert selten an der Technik, sondern an der Frage, welche Quelle im Konfliktfall gilt. Ohne benannte Leitquelle entstehen zwei Wahrheiten, und beide werden gepflegt. Besonders deutlich zeigt sich das bei Cloud-Diensten, weil eine Multi-Cloud-Strategie je Gesellschaft eigene Konsolen und eigene Namensschemata mitbringt.
Wer verantwortet die IT-Dokumentation, wenn Tochtergesellschaften ihre IT selbst betreiben?
Die Verantwortung für den Inhalt der IT-Infrastruktur-Dokumentation liegt bei der Gesellschaft, die das System betreibt. Die Vorgabe für Struktur und Fristen liegt auf Konzernebene.
§ 30 BSIG richtet seine Anforderungen an die einzelne Einrichtung, nicht an die Unternehmensgruppe als Ganzes. Eine Tochtergesellschaft, die die Schwellenwerte erreicht, ist selbst Adressat der Pflichten. Die Dokumentationslast verteilt sich auf jede betroffene Gesellschaft, während die Konzernebene für Vergleichbarkeit sorgen muss.
Warum Vorlagen und Standardwerkzeuge im Konzern nicht reichen
Eine IT-Infrastruktur-Dokumentation als Vorlage löst das Problem einer Abteilung, nicht das einer Gruppe. Vorlagen setzen eine Person voraus, die alles überblickt. In einem Konzern existiert diese Person nicht.
Auch eine IT-Dokumentation aus Open-Source-Bausteinen ändert daran nichts. Sie erfasst, was ihr Scanner sieht, und lässt in der IT-Infrastruktur-Dokumentation die Übergänge zwischen den Gesellschaften offen. Das IT-Infrastruktur-Monitoring erbt diese Lücke, weil es nur überwacht, was benannt ist. Dasselbe gilt für die Notfallvorsorge. Ein Wiederanlaufplan mit veralteten Systemnamen kostet genau die fehlenden Stunden. Deshalb verweist ein belastbares IT-Infrastruktur-Notfallkonzept auf ein laufend nachgeführtes Verzeichnis.
Was die Konzernebene vorgibt und was lokal bleibt
Eine gruppenweite Vorgabe zur IT-Infrastruktur-Dokumentation funktioniert, wenn sie Inhalte festlegt und Werkzeuge freilässt. Verlangt sie ein einheitliches Produkt, scheitert sie an gewachsenen Landschaften.
In die Dokumentationsrichtlinie gehören zentral:
- Anforderungen an die IT-Dokumentation je System
- verbindliche Begriffe für Kritikalität und Schutzbedarf
- Benennung einer Leitquelle pro Datenart
- Fristen für die Nachführung nach Änderungen
- Format für die Meldung an die Konzernebene
- Zuständigkeit für Freigabe und Abnahme
Die Richtlinie beschreibt Inhalte, nicht Werkzeuge
Ob eine Gesellschaft ihre IT-Dokumentation in einem Wiki, in einer Datenbank oder in gekaufter Dokumentationssoftware führt, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass die Felder gleich heißen und gleich befüllt werden. Erst gleiche Felder machen Bestände vergleichbar.
Diese Freiheit hat eine Grenze. Führt eine Gesellschaft ihre IT-Dokumentation ausschließlich als Vorlage in Excel, entsteht keine Änderungshistorie. Eine passende Datenbankentwicklung kostet weniger als die spätere Rekonstruktion.
Was passiert mit der IT-Infrastruktur-Dokumentation bei Zukauf oder Abspaltung?
Bei jeder Veränderung der Gesellschaftsstruktur wird die IT-Infrastruktur-Dokumentation zur Verhandlungsgrundlage. Was nicht dokumentiert ist, wird geschätzt, und Schätzungen landen im Kaufpreis oder im Übergangsvertrag. Die Dokumentation der IT-Landschaft wird damit zum Preisfaktor.
Auslöser, bei denen nachdokumentiert werden muss
Nicht jede Änderung erzwingt eine Nachführung. Die folgenden Fälle schon:
- Zukauf oder Verkauf einer Gesellschaft
- Wechsel eines Betriebs- oder Cloud-Anbieters
- Zusammenlegung von Standorten mit eigener Netzwerkdokumentation
- Abgang von Verantwortlichen ohne Übergabe
- Inbetriebnahme eines neuen Fachverfahrens
- Änderung der Kritikalitätseinstufung
- Rückführung ausgelagerter Systeme
Bei einer Abspaltung zeigt die IT-Infrastruktur-Dokumentation zusätzlich, wie viele Systeme gemeinsam genutzt werden. Verzeichnisdienste, Netzübergänge, Lizenzverträge und technische Konten lassen sich selten sauber trennen. Ohne dokumentierte Abhängigkeiten wird jede Trennung zum Suchlauf, der den Zeitplan der Transaktion bestimmt.
Netzwerkdokumentation nach einer Übernahme zusammenführen
Zwei gewachsene Netze zusammenzuführen bedeutet zuerst, zwei Netzdokumentationen zu vergleichen. Adressbereiche überschneiden sich, Namenskonventionen widersprechen sich, und beide Seiten halten ihre Fassung für die richtige.
Die Reihenfolge entscheidet über den Aufwand der IT-Infrastruktur-Dokumentation. Erst wenn die Netzwerkdokumentation beider Seiten auf gemeinsame Begriffe gebracht ist, lassen sich Anbieterentscheidungen belastbar treffen. Eine gemeinsame Cloud-Strategie setzt voraus, dass die genutzten Dienste je Gesellschaft bekannt sind.
Einsichtsrechte über Gesellschaftsgrenzen hinweg
Eine vollständige Infrastrukturdokumentation ist selbst ein Angriffsziel. In einer Gruppe kommt hinzu, dass nicht jede Gesellschaft alles sehen darf, etwa bei Beteiligungen mit Minderheitsgesellschaftern oder bei Auflagen aus einem laufenden Verkaufsprozess. Ein abgestuftes Berechtigungsmodell gehört in die IT-Infrastruktur-Dokumentation und nicht in eine nachgelagerte Freigabeliste.
Wie lässt sich IT-Dokumentation automatisch erzeugen statt manuell pflegen?
Manuelle Pflege scheitert an der Änderungsrate. Automatisch erzeugte Dokumentation scheitert an der Interpretation. Vollautomatik erzeugt Datenmengen ohne Bedeutung, reine Handarbeit erzeugt Rückstände. Eine tragfähige IT-Infrastruktur-Dokumentation mischt maschinell erhobene Bestandsdaten mit fachlich ergänzten Angaben.
Was sich erheben lässt und was nicht
Technische Merkmale liefern die Systeme selbst. Maschinell zuverlässig erhebbar sind:
- Systemnamen, Adressen und Versionsstände
- installierte Dienste und offene Schnittstellen
- Zertifikatslaufzeiten und Konfigurationsstände
- Speicherorte und Sicherungszeitpunkte
Nicht erhebbar sind der fachliche Zweck eines Systems, die Folgen eines Ausfalls für das Geschäft, die im Zweifel entscheidende Person und der Grund, warum eine Altlast weiterläuft. Diese Angaben tragen den Wert des Verzeichnisses und entstehen ausschließlich im Gespräch.
Schnittstellen statt Doppelpflege
Der Aufwand für die IT-Infrastruktur-Dokumentation sinkt, wenn Bestandsdaten dort bleiben, wo sie entstehen, und nur zusammengeführt werden. Eine Serverdokumentation aus dem Rechenzentrum und eine Netzwerkdokumentation aus dem Standortbetrieb müssen nicht in einem Werkzeug liegen, solange sie eine gemeinsame Kennung teilen. Die Kennung entscheidet über die Zusammenführbarkeit, nicht das Werkzeug.
Was die Zusammenführung im Betrieb bedeutet
TenMedia entwickelt solche Zusammenführungen als Individualsoftware und übernimmt anschließend deren Betrieb. Die vorhandenen Bestandsquellen bleiben bestehen und werden über Schnittstellen angebunden statt ersetzt. Wie eine zentrale Plattform Bestände über mehrere Standorte hinweg zusammenführt, zeigt die standortübergreifende Inventurlösung für eine regionale Stellenbörse. Für Unternehmensgruppen entsteht daraus ein Verzeichnis, das jede Gesellschaft weiter selbst pflegt, während die Konzernebene eine einheitliche Auskunft erhält.
Damit verschiebt sich der Aufwand von der Sammlung zur Bewertung. Eine IT-Systemdokumentation, die sich aus dem Betrieb heraus aktuell hält, macht das Dokumentieren der IT-Infrastruktur zur Routine statt zur Jahresaufgabe für die Fachbereiche.