EO-Datenplattformen & APIs: openEO, STAC und CODE-DE Lab

EO-Datenplattformen bündeln Satellitendaten, Rechenleistung und Schnittstellen an einem einzigen Ort – und ersparen Behörden wie Unternehmen den teuren Aufbau eigener Rechenzentren. Dieser Leitfaden erklärt openEO, STAC und CODE-DE Lab praxisnah, zeigt, worauf es beim EO-Datenmanagement wirklich ankommt, und beantwortet die Schlüsselfrage: eine bestehende Plattform nutzen oder eine eigene aufbauen?
Ein Team aus Fachkräften bespricht an einem großen Monitor eine farbcodierte Satellitenkarte und ein Dashboard - Sinnbild für die tägliche Arbeit mit EO-Datenplattformen und APIs, die Satellitendaten nutzbar machen.
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Was ist eine EO-Datenplattform?

Eine EO-Datenplattform ist eine Cloud-Infrastruktur, die Erdbeobachtungsdaten speichert, verarbeitet und über offene Schnittstellen bereitstellt. Statt riesige Szenen herunterzuladen, arbeiten Behörden und Firmen direkt dort, wo die Daten liegen. Wie gewaltig diese Bestände sind, belegt das Copernicus Data Space Ecosystem: Laut Jahresbericht 2024 stehen dort rund 78 Petabyte online, mehr als 100 Millionen Sentinel-Produkte sowie etwa zwei Milliarden Katalogabfragen pro Monat. Solche Mengen lassen sich nicht mehr sinnvoll kopieren. Der Engpass liegt selten an den Daten selbst, sondern an Zugang, Aufbereitung und sicherem Betrieb. Eine durchdachte EO-Datenplattform bringt die Auswertung deshalb zu den Daten – und genau hier beginnt die spätere Make-or-Buy-Abwägung.

Vom Download zum direkten Zugriff

Moderne EO-Datenplattformen liefern nicht nur Daten, sondern gleich die Rechenleistung und Werkzeuge zu ihrer Auswertung. Damit verlagert sich die Arbeit vom eigenen Server in die Cloud, wo selbst landesweite Analysen handhabbar bleiben. Eine breitere Einordnung bietet die Übersichtsseite zur Software für Erdbeobachtung als Leitfaden für das gesamte Feld. Im Kern bündelt eine EO-Datenplattform fünf Bausteine:

Erst dieses Zusammenspiel macht Erdbeobachtungsdaten ohne eigenes Rechenzentrum nutzbar – schnell, wiederholbar und prüffähig.

Wofür Verwaltung und Firmen Plattformen brauchen

Der Nutzen ist für beide Zielgruppen handfest, aber unterschiedlich gelagert. Behörden schätzen objektive, flächendeckende und wiederholbare Auswertungen, die Vor-Ort-Kontrollen ergänzen und Entscheidungen nachvollziehbar machen. Unternehmen zahlen vor allem für Tempo und Verlässlichkeit, etwa um Risiken früh zu erkennen oder Berichtspflichten zu erfüllen. In beiden Fällen entscheidet nicht der Zugang zu Bildern über den Erfolg, sondern das saubere EO-Datenmanagement dahinter. Eine EO-Plattform liefert dafür die gemeinsame Grundlage: dieselben Daten, dieselben Standards, dieselbe Satellitendaten-API. So lässt sich eine EO-Datenplattform für Behörden ebenso betreiben wie eine Lösung für die Privatwirtschaft, ohne das Rad zweimal zu erfinden.

Offene Standards: STAC und openEO

Offene Standards machen Plattformen austauschbar. Zwei prägen die Erdbeobachtung besonders: STAC ordnet und findet Daten, openEO verarbeitet sie – jeweils herstellerübergreifend. Ohne solche Standards müsste jedes Vorhaben bei einem Anbieterwechsel praktisch von vorn beginnen, ein teures Risiko gerade für langlebige Verwaltungsprojekte. Beide sorgen dafür, dass Auswertungen nicht an eine einzige EO-Datenplattform gekettet sind. Welche Daten dort konkret bereitstehen, vertieft der Schwester-Artikel zu Copernicus- und Sentinel-Diensten. Genau diese Offenheit unterscheidet eine zukunftssichere Plattform für Erdbeobachtungsdaten von einer technischen Sackgasse.

Was ist STAC?

STAC steht für SpatioTemporal Asset Catalog und ist ein offener Standard, der Satellitendaten einheitlich beschreibt und durchsuchbar macht. Ursprünglich für Satellitenbilder entworfen, deckt STAC heute auch Radar, LiDAR, Drohnenaufnahmen und abgeleitete Produkte wie Vegetationsindizes ab. Für das EO-Datenmanagement ist dieser Katalog der entscheidende Hebel: Erst saubere Metadaten machen Millionen Szenen überhaupt auffindbar. Anwendungen fragen über eine einheitliche EO-Daten-API genau die Aufnahmen ab, die sie brauchen – ohne jede Plattform neu zu erlernen. So wird aus einem Datenberg ein durchsuchbarer Katalog, der die tägliche Verwaltung der EO-Daten enorm vereinfacht.

openEO als portable Satellitendaten-API

openEO ist eine offene Satellitendaten-API, die Auswertungen herstellerunabhängig beschreibt. Ein einmal geschriebener Arbeitsablauf läuft auf vielen Plattformen – ob im visuellen Editor oder programmiert in Python, R und JavaScript. Über Werkzeuge wie JupyterLab lassen sich komplexe Verarbeitungsketten direkt in der Cloud ausführen, ohne auch nur eine Datei zu verschieben. Damit wird openEO zur gemeinsamen Sprache für die Auswertung großer Erdbeobachtungsbestände. Diese Portabilität ist der praktische Kern, wenn Teams openEO und STAC in der Praxis nutzen und ihre Ergebnisse über Jahre vergleichbar halten wollen.

Warum offene Standards vor Lock-in schützen

Anbieterunabhängigkeit ist kein Luxus, sondern Risikovorsorge. Wer auf proprietäre Formate setzt, zahlt später für jeden Wechsel doppelt. Offene Standards halten die Tür dauerhaft offen:

So entsteht eine anbieterunabhängige Geodatenplattform ohne Vendor Lock-in, die auch bei wachsendem Bedarf flexibel und beherrschbar bleibt.

EO-Datenmanagement auf nationalen Plattformen

Gutes EO-Datenmanagement entscheidet, ob aus offenen Daten ein verlässlicher Dienst wird. In Deutschland bündeln nationale EO-Datenplattformen Zugang, Speicherung und Verarbeitung – also das gesamte EO-Datenmanagement – an einem Ort. Sie ergänzen die europäischen Angebote um einen Serverstandort im Inland – wichtig überall dort, wo Datenhoheit zählt. Für die öffentliche Hand ist diese Form der EO-Datenhaltung oft der pragmatischste Einstieg, bevor eine eigene EO-Datenplattform für Behörden überhaupt nötig wird.

Was ist CODE-DE Lab?

CODE-DE Lab ist die nationale deutsche Plattform für Erdbeobachtungsdaten. Seit 2026 vereint sie die früher getrennten Angebote CODE-DE und EO-Lab und wird von der Raumfahrtagentur im DLR betrieben. Finanziert von zwei Bundesministerien mit rund 16 Millionen Euro, bietet CODE-DE Lab einheitlichen, kostenfreien Zugang zu Copernicus-Daten, nationalen Missionen und kommerziellen Aufnahmen. Verarbeitung und KI-Auswertung laufen direkt in einer gesicherten Cloud-Umgebung. Damit ist der CODE-DE-Lab-Zugang für Unternehmen und Verwaltung der naheliegende Start, um EO-Daten ohne eigene Hardware produktiv zu nutzen.

CDSE, CREODIAS und die Satellitendaten-API im Vergleich

Neben der nationalen Lösung gibt es mehrere europäische Plattformen, die sich in Schwerpunkt und Reife unterscheiden. Allen gemeinsam ist eine Satellitendaten-API, über die sich Daten in eigene Systeme einbinden lassen:

Die richtige Wahl hängt von Datenbedarf, Budget und Sicherheitsanforderungen ab – nicht von der bekanntesten Marke. Eine gute Datenschnittstelle ist dabei oft wichtiger als der größte Speicher.

Eigene EO-Datenplattform aufbauen oder mieten?

Die ehrliche Antwort: meistens mieten, selten selbst bauen. Eine bestehende EO-Datenplattform liefert Daten, Rechenleistung und Standards sofort – eine eigene EO-Datenplattform aufbauen oder bestehende nutzen wird erst bei besonderen Anforderungen zur echten Abwägung. Entscheidend sind wiederkehrende Auswerteketten, hohe Automatisierung, die Anbindung an Fachverfahren und strenge Vorgaben an die Datenhoheit. Genau dann zahlt sich Eigenbau aus, wenn Satellitendaten per API dauerhaft in eigene Fachverfahren integriert werden sollen. Der laufende Betrieb braucht dann verlässliche Wartung und Support, damit die Lösung über Jahre stabil und sicher bleibt.

Bestehende Plattform nutzen: schnell startklar

Für die meisten Vorhaben ist die bestehende EO-Datenplattform der schnellste Weg. Daten, Rechenleistung, EO-Datenmanagement und offene Standards stehen sofort bereit; die erste Auswertung gelingt in Tagen statt Monaten. Eine API für Satellitendaten genügt, um Ergebnisse in Karten, Berichte oder vorhandene Fachsysteme zu spielen. Damit bleibt das Projekt klein und risikoarm, während der fachliche Nutzen sofort sichtbar wird. Erst wenn Umfang, Automatisierung und Sicherheitsbedarf deutlich wachsen, rückt eine eigene Plattform für Erdbeobachtungsdaten in den Blick – als bewusste Entscheidung, nicht als Reflex. Dieser stufenweise Einstieg über eine bestehende EO-Datenplattform hält Budget und Risiko von Anfang an unter Kontrolle.

Was der Betrieb wirklich kostet

Die Rohdaten sind kostenlos – der Betrieb ist es nicht. Wer realistisch plant, rechnet von Anfang an mehrere Posten ein:

Diese laufenden Kosten entscheiden über die Wirtschaftlichkeit stärker als der einmalige Aufbau. Eine offene EO-Daten-API senkt sie spürbar, weil sie spätere Wechsel erleichtert. So bleibt eine EO-Datenplattform auf Dauer ein Aktivposten statt einer Altlast.

FAQs

Wie gelingt der API-Zugriff auf EO-Daten ohne Download? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Über eine Satellitendaten-API greifen Anwendungen gezielt auf einzelne Ausschnitte zu, statt ganze Szenen zu laden. Standards wie STAC und openEO beschreiben Suche und Verarbeitung einheitlich, sodass die Auswertung direkt in der Cloud läuft und nur das fertige Ergebnis übertragen wird.
Was kostet der Zugang zu einer EO-Datenplattform? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Der Datenzugang selbst ist bei offenen Plattformen meist kostenfrei. Bezahlt werden Rechenleistung, Speicher und Betrieb – also Verarbeitung, Pflege und Integration. Die laufenden Kosten hängen stärker vom Auswerteaufwand ab als von der reinen Datenmenge und lassen sich über offene Standards spürbar senken.
Eigene EO-Datenplattform aufbauen oder eine bestehende nutzen? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Für die meisten Stellen ist der Einstieg über eine bestehende Plattform der schnellste und günstigste Weg, weil Daten, Rechenleistung und Standards sofort bereitstehen. Der Aufbau einer eigenen Lösung lohnt erst bei wiederkehrenden Auswerteketten, hoher Automatisierung, der Anbindung an Fachverfahren und strengen Anforderungen an die Datenhoheit. TenMedia begleitet genau diese Entscheidung und entwickelt die sichere Daten- und Auswerteschicht: Anbindung der Plattformen über offene Schnittstellen, automatisierte Verarbeitung, Integration in bestehende Fachsysteme sowie laufenden Betrieb nach ISO 27001. Ergänzend sorgen Schulung und Dokumentation dafür, dass die Fachabteilungen die Auswertungen eigenständig und nachvollziehbar weiterführen können. So entsteht aus offenen Daten eine belastbare, anbieterunabhängige EO-Datenplattform.