Individualsoftware für die Produktion: die Lücke zwischen ERP und Maschine schließen

Bevor eine Individualsoftware Produktion und Verwaltung verbindet, liegt dazwischen oft eine Excel-Liste beim Schichtmeister. Das ERP, also das zentrale System für Aufträge, Material und Rechnungen, kennt Auftrag und Stückliste. Reihenfolge, Rüstwechsel und Störungen an der Maschine kennt nur diese Liste. Ob eigene Produktionssoftware die Lücke schließt oder ein fertiges System vom Markt, entscheidet die Art der Fertigung.
Eine Maschinenbedienerin mit Arbeitshandschuhen hält ein frisch gefrästes Metallteil und bestätigt den Auftrag auf dem Touchscreen des Terminals neben der Maschine, daneben hängt ein Handscanner. Sinnbild für Individualsoftware Produktion, die Rückmeldungen ohne Nachtragen direkt ins ERP bringt.
© KI-generiert (TenMedia)

Individualsoftware Produktion: wo ERP und Maschine schweigen

57 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland ab 100 Beschäftigten sagen, vielen Unternehmen fehlten die notwendigen Daten für digitale Zwillinge, also virtuelle Abbilder ihrer Anlagen. 48 Prozent sehen mangelnde IT-Infrastruktur als häufigen Grund, warum solche Vorhaben scheitern (Bitkom-Studienbericht Industrie 4.0).

Individualsoftware für die Fertigung ist eine Anwendung, die ein Softwaredienstleister eigens für einen Produktionsbetrieb entwickelt und zwischen ERP und Maschine einsetzt. Sie übernimmt typischerweise Feinplanung, Rückmeldungen vom Arbeitsplatz und die Erfassung von Maschinendaten. Damit eine solche Individualsoftware Produktion und ERP verbindet, statt ein weiteres Inselsystem zu werden, liest sie Aufträge aus dem ERP und schreibt Mengen, Zeiten und Ausschuss dorthin zurück.

Der Schichtbericht entsteht in Excel

Plant das ERP nur Wochen und Kapazitäten, muss die Reihenfolge an der einzelnen Maschine woanders entstehen. Ein typischer Ort dafür ist eine Tabelle, die der Meister oder die Arbeitsvorbereitung pflegt. Überlässt ein Betrieb seine Produktionsplanung Excel, funktioniert das, solange dieselbe Person jeden Morgen die Prioritäten setzt. Fällt sie aus oder wechselt sie den Arbeitgeber, fehlt das Planungswissen. In der Tabelle stehen dann Angaben, die das ERP nicht vorsieht und die jede Produktionsplanungs-Software übernehmen muss:

Eine Branchensoftware für die Fertigung bringt solche Felder mit, schreibt dafür aber den Ablauf vor, nach dem sie gepflegt werden.

Welche Lücke lassen ERP und MES im Mittelstand?

Ein MES, also eine Software für den Shopfloor, die Aufträge an der Maschine steuert, hängt laut Institut für Integrierte Produktion Hannover typischerweise am ERP und meldet Fertigstellungen dorthin zurück. Offen bleibt, welche Software produzierende Unternehmen für die tägliche Feinplanung brauchen, wenn ein MES zu groß ist. Genau dort verbindet eine Individualsoftware Produktion und Arbeitsvorbereitung, ohne das ERP anzutasten. Ob auch fünfzehn Jahre alte Anlagen dafür Daten liefern, klärt der Abschnitt zu älteren Maschinen ohne Schnittstelle.

Rückmeldungen, die erst am nächsten Tag im ERP stehen

Ohne Verbindung zur Maschine werden Mengen, Zeiten und Ausschuss am Schichtende von Hand nachgetragen, und bis dahin plant der Vertrieb mit dem Stand vom Vortag. Jede abgetippte Rückmeldung ist eine zweite Fehlerquelle. Sobald eine Individualsoftware Produktion und Planung auf denselben Datenstand bringt, entfällt das Nachtragen. Voraussetzung ist eine saubere Schnittstellenentwicklung, denn wer Rückmeldungen und Maschinendaten an ERP anbinden will, braucht stabile Datenwege in beide Richtungen.

MES kaufen oder eigene Produktionssoftware entwickeln?

Ein Standard-MES, eine Erweiterung des ERP und eigene Produktionssoftware lösen dasselbe Problem auf verschiedenen Wegen. Ob eine Individualsoftware Produktion und Lager besser verbindet als ein fertiges MES-System, entscheidet weniger die Betriebsgröße als die Fertigungsart. Die Übersicht zeigt Stärke und Lücke der drei Systemarten.

SystemStärkeLücke
ERPAufträge, Material, KostenReihenfolge an Maschinen
Standard-MESRückmeldung, BDE, Kennzahlenfeste Abläufe, Lizenzen
Eigene Anwendungpasst zum AblaufPflege über Jahre

Individualsoftware Produktion: Kriterien aus der Fertigung

Eine Fit-Gap-Analyse zwischen Standard und Eigenentwicklung misst, welche Abläufe ein Produkt abdeckt und was jede verbleibende Lücke kostet. Diese Methode funktioniert in jeder Branche gleich. Bei Software für die Fertigung zeigen vier Größen vorab, in welche Richtung die Messung ausgeht: die Fertigungsart von der Serie bis zum Einzelstück, die Zahl der Varianten je Produkt, Losgröße und Rüsthäufigkeit sowie Alter und Steuerung der Maschinen.

Einzelfertigung und Variantenvielfalt

In der Einzel- und Kleinserienfertigung ändert sich der Arbeitsplan mit fast jedem Auftrag, während ein Standard-MES auf oft wiederholte Arbeitspläne ausgelegt ist. Bei hoher Variantenzahl wird die Stammdatenpflege zur Hauptarbeit, und die Anpassung des Produkts kostet schnell mehr als eine schmale Planungssoftware für die Fertigung. Ob Individualsoftware Maschinenbau und Lohnfertigung gleich gut bedient, hängt deshalb an der Losgröße und kaum an der Branche.

Produktionsplanung: Software neben der ERP-Grobplanung

Für die Produktionsplanung Software zu suchen, zielt im Mittelstand meist auf die Feinplanung. Grobplanung und Material deckt eine ERP-Software für das produzierende Gewerbe ab, ein PPS-System, also eine Software für die Produktionsplanung und -steuerung, ergänzt die Terminierung je Arbeitsplatz. Die Planung von Bedarf und Kapazität entlang der Lieferkette liegt eine Ebene darüber. Eine individuelle Software für die Produktion setzt darunter an und zeigt, welcher Auftrag als Nächstes an welche Maschine geht.

Wann ein Standard-MES trägt

In der Serienfertigung mit stabilen Arbeitsplänen und wenigen Varianten ist ein Standard-MES oft die bessere Wahl. Als fertige Produktionssoftware bringt ein solches MES-System Terminals und Auswertungen mit und kann die OEE berechnen, also den Anteil der geplanten Zeit, in dem eine Anlage mit voller Geschwindigkeit Gutteile fertigt. Die Eigenentwicklung lohnt sich dann nur für die Ränder, etwa eine Sonderprüfung oder einen Export für einen Großkunden. Für solche Ränder gezielt Individualsoftware zu entwickeln setzt voraus, dass der eigene Ablauf vom Standard abweicht und nicht nur von der Gewohnheit.

Betriebsdaten und Maschinendaten erfassen

Ohne Daten aus der Fertigung bleibt jede Planung eine Schätzung. Menschen am Arbeitsplatz melden Mengen, Zeiten und Störungen, Maschinen kennen über ihre Steuerung Zustände und Stückzahlen. Betriebsdatenerfassung und Maschinendatenerfassung ergänzen sich deshalb, und beide brauchen einen Weg ins ERP. Damit Individualsoftware Produktion messbar macht, kommt es auf das Terminal am Arbeitsplatz und auf die Schnittstelle der Anlage an.

Betriebsdatenerfassung ohne Doppelerfassung

Betriebsdatenerfassung, kurz BDE, bezeichnet die Meldungen vom Arbeitsplatz: Auftrag begonnen, Menge gefertigt, Störung, Ausschuss. Jede zusätzliche Pflichtangabe senkt die Akzeptanz am Terminal, darauf weist das Online-Fachbuch der MES-Plattform zur BDE hin. Eine Produktionssoftware nach eigenem Zuschnitt fragt nur ab, was die Planung braucht, und belegt den Rest über ERP-Schnittstellen vor. So entsteht ein digitales Shopfloor-Management, das der Schicht den Schichtbericht abnimmt. Vor der Einführung klären diese Prüffragen, ob ein Terminal angenommen wird:

❓ Sind Auftrag und Arbeitsgang aus dem ERP vorbelegt?
❓ Funktioniert die Eingabe mit Handschuhen oder per Scanner?
❓ Gibt es für Störungen feste Gründe zur Auswahl?
❓ Ist geregelt, wer eine falsche Meldung korrigiert?

Ältere Maschinen ohne Schnittstelle

Fünfzehn oder zwanzig Jahre alte Anlagen haben selten eine moderne Datenschnittstelle, oft aber eine Steuerung, die Zustände und Zähler kennt. Für die Maschinendatenerfassung reicht häufig ein Signal wie Laufzeit, Stillstand oder Stückzahl. Die Maschine wird angebunden, nicht umgebaut. Wer Maschinendaten an ERP anbinden will, klärt deshalb zuerst, welche Anlage welches Signal über welchen Weg liefert.

Retrofit und OPC UA

Retrofit heißt die Nachrüstung einer bestehenden Anlage, etwa mit einem Gateway, also einem kleinen Rechner, der Signale abgreift und weitergibt. Als offenen Standard für diesen Datenaustausch nennt das Mittelstand-Digital Zentrum WertNetzWerke OPC UA. Für die Anbindung nutzt Individualsoftware Industrie-Standards wie diesen, damit kein einzelner Hersteller über den Datenweg bestimmt. Aus den Signalen lässt sich dann auch für ältere Anlagen die OEE berechnen.

Individualsoftware Produktion einführen und betreiben

Zeit und Komplexität sind für Unternehmen in Deutschland die größten Herausforderungen der Digitalisierung, genannt von 58 und 56 Prozent (DIHK, Digitalisierungsumfrage 2026, 2026). Für IT-Lösungen für die Fertigung folgen daraus zwei Fragen: wie die Umstellung gelingt, ohne dass die Fertigung steht, und was die Anwendung nach dem Start jedes Jahr kostet.

Neue Produktionsplanungs-Software im Parallelbetrieb

Im Maschinenbau nennen 47 Prozent der Unternehmen das Change Management, also die Begleitung der Beschäftigten durch die Umstellung, als eine der größten Hürden der Digitalisierung. Prof. Claus Oetter, Leiter der Abteilung Informatik und Geschäftsführer des VDMA Software und Digitalisierung, ordnet die Umfrage des Verbands so ein: „Das verdeutlicht, dass die digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau längst mehr als eine rein technische Herausforderung ist“ (VDMA, Pressemitteilung „Maschinenbau sieht sich digital auf Augenhöhe mit dem Wettbewerb“, 2026). Eine Produktionsplanungs-Software ersetzt die Tabelle deshalb nicht über Nacht, sondern in kleinen Schritten:

Solange eine neue Individualsoftware Produktion und Planung erst parallel zur Tabelle abbildet, bleibt ein Rückweg offen. Abgeschaltet wird erst, wenn die Rückmeldungen stimmen.

Was die Anwendung jedes Jahr weiter kostet

Das verarbeitende Gewerbe gibt im Mittelstand am meisten für Digitalisierung aus, im Schnitt knapp 60.000 Euro je Unternehmen mit Digitalisierungsaktivitäten (KfW Research, KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025, 2026). Diese Zahl beschreibt die Investition, nicht die Jahre, in denen eine Individualsoftware Produktion und Versand täglich steuert. Bei Individualsoftware für Produktionsunternehmen zählt zusätzlich, was eine Produktionsplanungs-Software nach dem Start jedes Jahr verursacht: Wartung, Updates der Bibliotheken, Anpassungen bei neuen Maschinen und den Betrieb in der Live-Umgebung.

Sicherheitsanforderungen aus der Lieferkette

Unternehmen, die unter die NIS-2-Richtlinie fallen, müssen die Sicherheit ihrer Lieferkette berücksichtigen und können Anforderungen an Zulieferer und deren Systeme weitergeben. Sicherheitsupdates gehören deshalb von Anfang an in die Rechnung. TenMedia entwickelt solche Anwendungen neben dem bestehenden ERP, baut die Schnittstellen zu ERP, MES und Maschine und übernimmt danach Betrieb und Wartung zum festen Monatsbetrag. Hardware und Steuerungen werden dabei angebunden, nicht entwickelt. Für einen Lehrstuhl für Produktionsmaschinen entstand so eine Sharing-Plattform für industrielle Ressourcen, die Lager- und Inventurprozesse abbildet.

FAQs

Welche Unterlagen braucht es, bevor Software für die Fertigung entwickelt wird? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Bevor eine Individualsoftware Produktion und ERP verbindet, helfen die Arbeitspläne typischer Aufträge, eine Liste der Arbeitsplätze und Maschinen mit Baujahr und Steuerung, die bisherige Planungstabelle und die Dokumentation der ERP-Schnittstellen. Dazu kommen Beispiele echter Störungen, weil sie die Auswahlgründe am Terminal vorgeben.
Was passiert mit eigener Fertigungssoftware, wenn das ERP ein Update bekommt? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Läuft der Datenaustausch über eine dokumentierte Schnittstelle des ERP-Herstellers statt über direkte Datenbankzugriffe, betrifft ein Update die Produktionssoftware nur dann, wenn sich genau diese Schnittstelle ändert. Vor jedem größeren Versionswechsel des ERP wird die Anbindung deshalb in einer Testumgebung geprüft.
Was kostet eine eigene Fertigungsanwendung im Jahr nach der Einführung? keyboard_arrow_down keyboard_arrow_up
Die laufenden Kosten setzen sich aus Wartung, Updates, kleinen Anpassungen und dem Betrieb der Server in der Live-Umgebung zusammen. Wie hoch sie ausfallen, hängt an der Zahl der angebundenen Systeme und Maschinen, denn jede Schnittstelle muss bei Versionswechseln mitgeprüft werden. TenMedia rechnet die Wartung über ein festes Monatskontingent ab, der Wartungsvertrag beginnt bei 900 Euro netto im Monat für acht Stunden. Darin enthalten sind Updates, Pflege, Weiterentwicklung und Support im Rahmen des Kontingents, abgerechnet als Pauschale zum Monatsanfang. So bleibt planbar, was eine Individualsoftware Produktion und Verwaltung jedes Jahr kostet.